Nach kompletter Sport-Absage wegen des Coronavirus

So haben Sportler der Region das Wochenende ohne Ligabetrieb erlebt

Jonas Wagner. Foto: Marvin Heinz/nh

Wegen der Corona-Infektionsgefahr ist in Hessen für Handballer, Basketballer und Volleyballer die Saison beendet. Fußballer und Tischtennisspieler pausieren zunächst.

Wir haben bei Sportlern unterschiedlicher Sportarten nachgefragt, wie sie das erste komplett spielfreie Wochenende erlebt haben.

Jonas Wagner (Handball, Eschweger TSV): „Es war ein völlig ungewohntes Wochenende. Eigentlich hätte ich in Bettenhausen selbst gespielt und dann in Röhrda gepfiffen. So haben wir die Grillsaison gestartet und das Beste aus der Situation gemacht. Die nächsten Wochen werden spannend, da ja große sportpolitische Entscheidungen getroffen werden. Ich hoffe, dass die Vernunft über den Profit siegen wird.“

Alexander Bazzone (Fußball, langjähriger Kapitän der SV 07 Eschwege, jetzt SG Klein./Hun./Doh.): „Ich finde es einfach ätzend! Wir haben uns durch die Vorbereitung gequält, wollen unserem Hobby nachgehen und jetzt wird alles abgesagt. Jetzt merke ich, wie viel Zeit man in den Sport investiert und welche emotionale Leere plötzlich um sich greift. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in den nächsten Wochen etwas ändert. Das Wichtigste ist, dass die Corona-Ausnahmesituation gelöst wird und alle gesund bleiben oder werden.“

Tobias Schucht (Volleyball, SG Herleshausen/Eisenach): „Eine solche Situation ist mit nichts zu vergleichen und habe ich in meinen 30 Jahren im Liga-Spielbetrieb nie erlebt. Das ist vor allem für meine Familie sehr ungewohnt, weil ich jetzt an den Wochenenden immer zu Hause bin (lacht). Für meine Mannschaft ist die Lage echt verrückt, weil wir in der Tabelle im Abstiegskampf gesteckt haben und die Gefahr groß war, dass wir absteigen müssen. Durch die nun eingefrorene Tabelle haben wir als derzeit Drittletzter vielleicht die Chance, die Liga zu halten. Je nachdem, wie es weitergeht.“

Lisa Ringleb (Tischtennis, TTC Albungen): „Für uns Hallensportler hätte sich die Saison jetzt auf die Zielgerade zubewegt. Das ist schon eine sehr komische Situation, nun an den Wochenenden und unter der Woche so viel Zeit zu haben. Und natürlich fehlt einem auch die Bewegung. Im Tischtennis ist die Saison noch nicht abgesagt worden, doch ich kann mir gut vorstellen, dass es letztlich noch so kommen wird. Das wäre total schade, aber verständlich. Wir brauchen Geduld.“

Danny Göhler (Fußball, SV Reichensachsen): „Solch eine extreme Situation habe ich noch nie erlebt. Langeweile habe ich allerdings nicht, so ist jetzt ein wenig mehr Zeit für die Familie und Partnerin. Ansonsten lebe ich normal weiter, gehe zur Arbeit und fahre danach nach Hause statt ins Training. Dass sich bis zum Saisonende eine große Veränderung der aktuellen Situation ergibt, kann ich mir bei dem engen Zeitplan jedoch nicht vorstellen.“

Florian Bley (Handball, VfL Wanfried): „Es ist schwer, das alles in seiner Gesamtheit zu beurteilen, zumal wir ja wohl erst am Anfang stehen. So ein abruptes Saisonende ist schon gefühlsmäßig sehr komisch. Das Leben geht auch ohne Sport weiter, bei dem jetzigen Wetter gibt es zusammen mit Freunden auch genug Alternativen. Welche Langzeitwirkung das für viele Vereine hat, das vermag ich nicht zu beurteilen, denke aber, dass manche in finanzielle Schwierigkeiten kommen könnten.“

Markus Dietrich (Fußball, SG Wehretal): „Eine komische Situation, um ehrlich zu sein. Als zweiter Vorsitzender gab es zumindest keinen Stress bei organisatorischen Dingen, die an einem normalen Sportwochenende vor Ort anfallen. Allerdings wäre es mir umgekehrt lieber gewesen. Wie es weitergeht, kann ich nicht beurteilen, hoffe aber, dass sich bald wieder eine relative Normalität im Leben mit Sport einstellt.“

Luis Goebel (Fußball, SV Adler Weidenhausen): „Es ist ein komisches Gefühl, wenn im März am Wochenende kein eigenes Spiel auf dem Programm steht und auch keine Fußball-Bundesliga läuft. Allerdings hat man plötzlich Zeit für andere Dinge, die sonst immer etwas zu kurz kommen. Ich habe jetzt drei Bücher eingepackt und werde etwas mehr lesen, denn wir trainieren aktuell ja auch nicht. Wir werden wohl viel Geduld aufbringen müssen.“

Lucas Waßmann (Fußball, SG FSA): „Es ist ungewohnt, aber es gibt Wichtigeres als Sport. Statt Fußballspielen treffen wir uns nun zum Grillen und Reden, Freundschaften gehen ja über den grünen Rasen hinaus.“

Andreas Pleyer (Fußball, SC Niederhone): „Zumindest an Alternativen hat es mir nicht gemangelt. Mein Garten hat sich gefreut. Ändern können wir die aktuelle Situation nicht, wir müssen diese Krise gemeinsam durchstehen. Ob die Saison überhaupt zu Ende gespielt werden kann, das stelle ich mal infrage.“

Björn Ruelberg (Fußball, TSV Wichmannshausen): „Dank des frühlingshaften Wetters kann die Zeit gut anders genutzt werden. Spazieren gehen oder joggen sind gute Alternativen, auch wenn mir der Teamsport fehlt. Aber da müssen wir jetzt alle gemeinsam durch und ich freue mich schon jetzt auf die Rückkehr auf den Rasen und wenn ich meine schwarz-gelben Jungs vom BVB wieder im TV sehen kann.“

Felix Berger (Schiedsrichter, TSV Herleshausen): „Mich nervt das alles ziemlich sehr, weil ich in der Hessenliga als Schiedsrichter punkten wollte und generell habe ich mich total darauf gefreut, dass es im Fußball wieder losgeht – vor allem auf schönen Rasenplätzen. Das ist immer noch mal etwas anderes, als wenn man nur auf Kunstrasen aktiv ist. Es gibt aber viel wichtigere Dinge als Sport, so fair muss man sein. Wenngleich es auch für jeden Sportler derzeit schwierig ist.“ 

Von Nico Beck und Stefan Konklowsky

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