„Ab Gruppenliga ist Geld im Spiel“

Stefan Morhardt über den Neuaufbau der SV 07 und Reichensachsen

Ehemalige Spieler der SV 07 Eschwege.
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Alte Bekannte: Unser Archivbild zeigt Stefan Morhardt (recht) bei der Verabschiedung von SV-Spielern wie Christian Vidal Gadea und Dada Gadea Baringo (Zweiter und Dritter von links). Diese spielen kommende Saison in Reichensachsen.

Seit dieser Woche ist klar: Jakub Swinarski wird der nächste Neuzugang bei Fußball-Gruppenligist SV Reichensachsen (wir berichteten). Der 30-Jährige kommt von Konkurrent SG Kleinalmerode/Hundelshausen/Dohrenbach, wo er in 59 Spielen 26 Tore erzielte.

Eschwege ‒ Zudem ist Swinarski damit der achte Spieler beim SVR , der genau wie Trainer Rafal Klajnszmit in der Vergangenheit für die SV 07 Eschwege in der Verbandsliga aktiv war. Wir haben darüber mit dem zweiten Vorsitzenden der SV 07, Stefan Morhardt, gesprochen.

Danny Göhler, Stephan Montag, Peter Manegold, David Dreyer, Jakub Swinarski, Cristian Vidal Gadea, Dada Gadea Baringo, Jakub Swinarski, Rafal Klajnszmit. Was fällt Ihnen bei dieser Aufzählung ein?
Das ist nicht schwer zu beantworten. Es sind neun Akteure, die noch vor wenigen Jahren für uns in der Verbandsliga aktiv waren. Der SV Reichensachsen hat sich damit viel Qualität in seinen Kader geholt und dürfte zu den Titelfavoriten in der kommenden Saison gehören. Für alles andere bräuchte man diesen Aufwand nicht betreiben. Denn der Aufwand, so einen Kader zusammenzustellen und dann über Jahre zu halten, ist enorm. Da müssen die Verantwortlichen überzeugende Argumente haben und viel Arbeit investieren.
Sie sprechen aus Erfahrung?
Ja. Wir brauchen uns nichts vormachen. Spätestens ab der Gruppenliga ist immer auch Geld oder ein Job im Spiel, wenn ich Qualität von außerhalb verpflichten will. Es sind die wenigsten Spieler, die aus wahrer Vereinsliebe das Trikot tragen. Wobei es einen Unterschied darstellt, ob ich Fahrgeld zahle oder monatliche Handgelder. Insgesamt brauche ich da eine sehr gute finanzielle Basis, wenn das langfristig funktionieren soll. Ansonsten knallt es irgendwann. Wir haben das bei der SV 07 erlebt.
Was hat in Eschwege nicht funktioniert?
Wir hätten uns aus rein finanziellen Gründen in der Saison 2019/20 die Verbandsliga weiter leisten können. Natürlich haben auch unsere Spieler eine Aufwandsentschädigung erhalten. Und wir haben auch vom Erreichen der Hessenliga geträumt, sportliche Ziele sollte man ja haben. Aber irgendwann kommen dann ein oder zwei Vereine und bieten mehr. Und dann stellt sich die Frage, wofür ich als Verein und als Vorstand eine Verantwortung habe. Dafür, dass wir jahrelang den Fokus falsch ausgerichtet hatten, sind wir bitter bestraft worden.
Bestraft inwiefern?
Bei allem sportlichen Ehrgeiz mit der ersten Seniorenmannschaft haben wir die zweite Mannschaft jahrelang vernachlässigt, genauso wie unseren Jugendbereich. Und als im Sommer 2019 fast alle dem Ruf des Geldes folgten, konnten wir dies nicht mehr auffangen. Das ist immer die Gefahr, wenn du hoch hinauswillst und deine eigenen Wurzeln vergisst. Das sollte sich jeder vor Augen führen und bewusst machen, bevor er diesen Weg einschlägt. Sonst gibt es am Ende eine knallharte Bruchlandung.
Bleibt irgendetwas Positives aus dieser Zeit?
Vieles war auch schön. Wir hatten großartige Jungs und auch die Kameradschaft hat ebenfalls gestimmt. Ich möchte davon nichts missen, das sind auch Erfahrungen fürs Leben. Sicher gab es auch negative Momente und Spieler, die nicht zu uns gepasst haben, aber das ist überall so. Ich freue mich, dass jetzt ein Teil dieser Spieler vor unserer Haustür spielt und hoffentlich guten Fußball in den Kreis bringt. Das Projekt in Reichensachsen ist spannend, aber ich denke, auch nicht einfach.
Und wie sieht es bei Ihnen im Verein aus?
Als Vorstandsmitglied schlafe ich heute definitiv besser als in Verbandsligazeiten. Verhandeln mit Spielern um Aufwandsentschädigungen ist nämlich etwas, was an die eigene Substanz geht. Unsere Zuschauer, die wir in der Verbandsliga hatten, sind uns treu geblieben und sportlich geht es langsam vorwärts. Im Jugendbereich sind wir mit rund 170 aktiven Spielern gut aufgestellt und alles ist familiärer. Wir sind abgestürzt, aber wieder auferstanden. Ich hoffe, dass anderen ambitionierten Vereinen dieser Weg erspart bleibt. (Stefan Konklowsky)

Die Antwort des SV Reichensachsen, Trainer Rafal Klajszmit:

„Natürlich erhalten in der Gruppen- und Verbandsliga die meisten Spieler eine Aufwandsentschädigung. Aber das war bei unseren Neuzugängen nicht die Motivation, um zu wechseln. Denen geht es um das Projekt mit der sportlichen Herausforderung. Sich von außen hinzustellen und Gerüchte zu streuen, ist unfair. Vielleicht überlegt der ein oder andere auch mal, warum sich acht ehemalige Spieler der SV 07 wieder zusammenfinden. Vielleicht, weil sie in Eschwege gute Freunde geworden sind und jetzt die Möglichkeit sehen, gemeinsam etwas zu erreichen. Aber das ist natürlich als Diskussionsthema weniger spannend, als über angeblich gezahlte Gehälter zu reden. Und wenn ein Spieler wegen eines besseren Paketes sich für einen neuen Verein entscheidet, besteht dieses sicher nicht nur aus Geld.“ 

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