Schwere Zeiten für Anhänger des Traditionsvereins in der 3. Liga

Kaiserslautern-Fan Dieter Hoffesommer: „Steigen wir nicht auf, sind wir tot“

Das legendäre Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern: Der so stolze Verein legte in den vergangenen Jahren eine schier beispiellose Talfahrt hin. Man wollte hoch hinaus, spielt aber inzwischen nur noch in der 3. Bundesliga und steht dort auf Rang 15.
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Das legendäre Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern: Der so stolze Verein legte in den vergangenen Jahren eine schier beispiellose Talfahrt hin. Man wollte hoch hinaus, spielt aber inzwischen nur noch in der 3. Bundesliga und steht dort auf Rang 15.

Kaum ein Fußballverein in Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren einen derartigen Absturz hingelegt wie der 1. FC Kaiserslautern. Der Meister von 1998 spielt in der 3. Liga – es sind harte Zeiten für die Fans des Clubs.

Es ist eine emotionale Achterfahrt, die Dieter Hoffesommer aus Eschwege in den letzten Wochen, Monaten und Jahren mit seinem Herzensverein 1. FC Kaiserslautern erlebt hat. Vor rund 20 Jahren errang die Mannschaft von Otto Rehhagel noch die Meisterschaft, spielte im Viertelfinale in der Champions League und stand im Halbfinale des damaligen Uefa-Cups. Heute sind auf dem legendären Betzenberg Mannschaft wie Verl, Zwickau und Bayern München II zu Gast, der 1. FCK steht nach 17 Spielen auf dem 15. Tabellenplatz der 3. Liga. Nach den große Zeiten rund um die 2000er-Jahre folgte der tiefe Fall. Nach wie vor ungebrochen ist die Liebe von Dieter Hoffesommer zu seinem Club. Warum und wie er diese Zeit erlebt, das hat er uns verraten.

Dieter, wie wird man in Nordhessen Fan des FCK?

Ich glaube, ich bin mit dem Teufel-Gen zur Welt gekommen. Ganz genau weiß ich das nicht mehr. Spieler wie Peter Briegel, Sepp Stabel oder Trainer Kalli Feldkamp haben mich irgendwie angesprochen, zudem hat mich bei TV-Übertragungen immer die Stadionatmosphäre elektrisiert. Ich weiß nur, dass ich zur Einschulung schon FCK-Fan war. Das war nicht immer einfach in der Schulklasse, da war ich immer in einer Außenseiterrolle.

Was sagt deine Familie dazu?

Mittlerweile ist meine Frau Sandra ein noch größerer Fan als ich. Sie sehnt das Ende der Coronazeit herbei, damit wir endlich mal wieder gemeinsam ins Stadion gehen können. Selbst in der 3. Liga sind wir bei einigen Heimspielen dabei gewesen und haben sogar jedes Auswärtsspiel live gesehen. Nun muss ich mir halt die Spiele im Fernsehen anschauen, auch wenn das zuletzt nicht immer ein Vergnügen war.

Zur Person

Dieter Hoffesommer (48) blickt auf keine lange und erfolgreiche Zeit als aktiver Fußballer zurück, dennoch wurde der Fußball zu seiner größten Leidenschaft. Vor allem der 1. FC Kaiserslautern, sein Lieblingsverein seit früher Kindheit. Hoffesommer gründete den Fanclub „Wir sind Betze“ mit, der sich durch viele soziale Aktivitäten einen Namen in der Fanszene gemacht hat. Hoffesommer fährt gern Rad und ist bei der Marchingband Dietemann aktiv. Sein Sohn Dominik arbeitet für Eintracht Braunschweig in der Vermarktung, Ehefrau Sandra im eigenen Dachdecker-Betrieb in Eschwege. Die Hoffesommers leben in Grebendorf.

Hat die 3. Liga auch etwas Gutes zu bieten?

Sportlich nicht, aber wir sind als Fans näher zusammengerückt. So habe ich auch den langjährigen Hauptsponsor Harald Layenberger (Nutrition Group) kennengelernt, mit dem ich heute gut befreundet bin. Aus seiner VIP-Lounge habe ich viele Spiele verfolgt. Mein Herz schlägt allerdings für die Westkurve, dort spürt man die Bedeutung des FCK für die Menschen der Region am meisten.

Insgesamt gewinnt man schnell den Eindruck, als wärst du kein „ganz normaler“ Fan?

Einmal, nach einem Spiel der 2. Liga bei Erzgebirge Aue, haben wir mit einigen Fans spontan den Fanclub „Wir sind Betze“ gegründet. Wir hatten uns zwar immer wieder im Stadion getroffen, aber wir wollten unsere Verbundenheit verstärken, weil wir ja quer verstreut durch die Republik leben. Mittlerweile haben wir 820 Mitglieder und engagieren uns auch über den Fußball hinaus. Wir haben eine eigene Fan-Kollektion, veranstalten Sommer- und Winterfeste und spenden die Erlöse für gute Zwecke. So konnten wir in diesem Jahr dem Verein „Menschen helfen Menschen“ einen Scheck in Höhe von 4700 Euro überreichen und auch das Nachwuchsleistungszentrum des FCK mit 5000 Euro fördern. Da macht es einen schon stolz, Teil des Ganzen zu sein.

Dein schönstes und dein traurigstes Erlebnis?

Am schönsten war, klar, der Gewinn der Meisterschaft 1998. Da war ich mit meinem Sohn Dominik zur Titelfeier, das war sensationell. Der traurigste Moment war sicherlich auf der Bielefelder Alm, als wir nach einer Niederlage in die 3. Liga abgestiegen waren. Da hatte ich Rotz und Wasser geheult. Wenn ich daran denke, dann tut das heute noch weh.

Wie wird es weitergehen?

Die aktuelle Mannschaft hat sicherlich Potenzial, um den Aufstieg mitzuspielen. Aber nicht jeder Spieler kann mit dem Druck umgehen, das Trikot des FCK zu tragen. Und für alle Gegner ist es immer noch etwas Besonderes, wenn es gegen uns geht. Dafür sind wir halt ein Traditionsverein und werden anders wahrgenommen. Ich hoffe auf eine Siegesserie, denn dann können zehn Punkte Rückstand auf den Aufstiegsplatz noch aufgeholt werden. Ansonsten muss der Aufstieg nächstes Jahr klappen, denn nur solange gilt die Zusage der regionalen Sponsoren. Schaffen wir das nicht, ist der 1. FC Kaiserslautern tot. Da brauchen wir uns nichts vormachen, wir müssen unbedingt aufsteigen.

Von Stefan Konklowsky

Hinter dem Banner des eigenen Fanclubs „Wir sind Betze“: Dieter Hoffesommer (rechts). Beide
Auch auf den Seychellen immer im FCK-Trikot.

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