FUSSBALL-SAISONVORSCHAU (1) Verbandsliga

Mit leisen Tönen ganz nach oben: Die Zeit ist reif beim SV Adler Weidenhausen

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Die Vorbereitung läuft beim SV Adler Weidenhausen: Die Spieler der ersten Mannschaft geben viermal in der Woche Vollgas.

Anfang September wird der Fußball-Ligaspielbetrieb zur Saison 2020/21 aufgenommen. Wir stellen die heimischen Mannschaften von der Verbandsliga bis zur Kreisoberliga vor. Heute: Verbandsligist SV Adler Weidenhausen.

VON NICO BECK

Gleich zu Beginn des Gesprächs mit Trainer Maikel Buchenau die große Überraschung: Beim SV Adler Weidenhausen wird offen über das Titelrennen in der Verbandsliga gesprochen. Das erfolgt beim Adler aber auf die gleiche bescheidende Art und Weise, wie in den vergangenen Jahren schon die Ziele formuliert worden waren. Mit Demut und Respekt vor den Gegner. Auch auf Schlagworte wie Hessenliga, Meisterschaft und Aufstieg wird verzichtet. Dennoch wird schnell klar, dass der SVA in der Spielzeit 2020/21 Großes vorhat. Er will nach oben und ist ambitionierter denn je.

Das Ziel

„Wir wollen nicht durchschnittlich sein, sondern zu den Besten zählen“, „Wir wollen von Beginn an an der Spitze dran sein“, „Wir wollen wesentlich konstanter werden“ – sie wollen viel erreichen, die Weidenhäuser Fußballer. Und diese knackigen Aussagen von Trainer Maikel Buchenau verdeutlichen das neue Selbstverständnis des Verbandsligisten. Der 40-Jährige weiß genau wie der Vereinsvorstand, dass in dieser Saison, in der die beiden Besten des Vorjahres aufgestiegen sind, aber im Gegenzug kein Hessenligist hinzukam, Zielvorgaben wie 50 und mehr Punkte oder ein einstelliger Tabellenplatz keineswegs passen würden. „Ich denke, dass sich eine Gruppe mit fünf, sechs Mannschaften herauskristallisiert, die die vorderen Plätze unter sich ausmachen“, so der Coach, der mit seinem Team zu dieser Gruppe zählen will.

Die Erwartung

Beim SVA ist man realistisch genug, die Hoffnungen nicht zu hoch zu schrauben und unnötigen Druck zu erzeugen, „denn wir haben mit 18 Spielern nur einen relativ kleinen Kader und niemand weiß, wie es mit Verletzungen und weiteren Ausfällen aussieht. Da kann es mal schnell recht dünn werden in der Personaldecke“, sagt Buchenau, „jeder im Sport weiß, dass es eben auch eine Portion Glück braucht, im Spiel und auch, wenige Verletzungen zu haben. Sonst wird es schwer, seine Ziele zu erreichen.“ Dennoch weiß Buchenau: „Es reicht in jedem Fall nicht, was wir vergangene Saison gezeigt haben. Da muss mehr kommen und wir müssen vor allem konstanter werden.“

Die Vorbereitung

Viermal in der Woche wird auf dem Chattenloh geschwitzt. Nach der langen Pause und erst zwei Wochen im Trainingsbetrieb ist jedoch noch etwas Sand im Getriebe, wie beim ersten Test (2:2 gegen Struth/Diedorf) zu erkennen war. „Das ist aber ganz normal und wir machen gute Fortschritte.“ Am Samstag (8. August) testete der SVA auf dem eigenen Sportplatz gegen Rothwesten und siegte 2:0 durch zwei Treffer von Jan Gerbig, der sich damit ein verfrühtes Geburtstagsgeschenkt machte. Gerbig wurde am Sonntag 26 Jahr alt.

Neu beim SVA: (stehend von links) Jan Ullrich, Elias Nowak, Eric Schindewolf, (kniend) Gabriel Kuric, Lucas Wassmann und Kevin Christl.

Der Trainer

Maikel Buchenau startet in seine dritte Saison seit der Rückkehr aufs Chattenloh. Mitte des Jahrzehnts saß er interimsmäßig schon einmal auf der Adler-Bank, ehe Marco Wehr als neuer Trainer installiert wurde. Das waren die ersten Schritte des Eschwegers als Trainer, der ab 2016 für zwei Spielzeiten beim TSV Wichmannshausen hauptverantwortlich übernahm und den Kreisoberligisten in die Gruppenliga führte. Dann die spektakuläre Rückkehr des einstigen Mittelfeldstrategen. Seit fünf Jahren als Co-Trainer mit im Weidenhäuser Boot ist Ronald Leonhardt.

Hat alles im Blick: Trainer Maikel Buchenau.

Der Kader

Das große Plus im Vergleich zu anderen Clubs: Der SVA hat keine Abgänge zu verzeichnen und tritt mit nahezu unveränderter Mannschaft an, die über Jahre eingespielt ist. Mit Angreifer Jan Ullrich (bereits im Winter, ein Spiel vor Corona) und Defensiv-Allrounder Elias Nowak (A-Jugend Baunatal) verstärken zwei Akteur den Kader der Ersten, während die weiteren Neuzugänge Potenzial haben, ebenfalls in Zukunft dazugehören zu können.

Das Derby

Der Lichtenauer FV will dem SVA den Rang als Nummer eins der Region streitig machen. „Na klar hat dieses Derby eine besondere Brisanz“, weiß der Übungsleiter, „wir freuen uns auf die Duelle, weil wir sehr viele Spieler gut kennen und es ein Highlight für die Zuschauer wird.“ Das erste Duell könnte im Pokalfinale folgen. „Das wäre gleich eine Standortbestimmung. Aber erst muss man die Halbfinals gewinnen.“

KOMMENTAR

von Sportchef Nico Beck

Der SV Adler hat das Potenzial, um an der Hessenliga zu schnuppern. Sogar um aufzusteigen. Denken Sie nur an das vergangene Jahr zurück: die sensationellen Auftritte im Hessenpokal, die begeisternden Ligaerfolge wie beim 4:2-Sieg im Oktober gegen Spitzenteam Flieden. Diesen großartigen Momentaufnahmen steht aber auch ein achter Platz in der Liga gegenüber, der eine deutliche Sprache in Sachen fehlender Konstanz spricht. Das Team blieb unter seinen Möglichkeiten. Das darf in dieser Saison nicht passieren.
Die Konstanz wird das A und O sein – egal bei welchem ambitionierten Team der Liga. Ohne Vorjahres-Hessenligisten und selbst mit zwei Aufsteigern aus der Saison 2019/20 fehlen der Klasse nun die ganz großen Favoriten auf den Titel. Das ist ein Riesenvorteil für alle, die viel vorhaben. Um diese Chance weiß Aufsteiger Lichtenau, der aufsteigen will, aber natürlich auch der SV Adler.
Die Weidenhäuser Mannschaft – sicherlich eine goldene Generation mit den drei Gonnermännern – hatte keine Abgänge zu verzeichnen und spielt seit Jahren in nahezu derselben Besetzung, mit Sören Gonnermann (31) ist der beste Spieler der Liga weiter mit dabei und die meisten Akteure sind in ihrer Spielanlage reifer geworden. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Zeit ist reif für den ganz großen Wurf!
nic@werra-rundschau.de

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