Talente werden für Deutsche Meisterschaften vorbereitet

Beim Boxclub Eschwege von Robert Staar: Vergleiche mit Ottke und Maske

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Ein ungewohntes Bild: Der 21-jährige Ghulam Sedienh trainiert beim Boxclub Eschwege unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Somit heißt es Sandsack statt Sparring.

Beim Boxclub Eschwege werden zwei Sportler für ihre Kämpfe bei den Deutschen Meisterschaften im Oktober vorbereitet. Das ist in Coronazeiten nicht immer ganz leicht. Wir waren beim Training in Eschwege dabei.

VON MARVIN HEINZ

Schon bevor das Training so richtig Fahrt aufnimmt, wird Robert Staar deutlich. Der Vorsitzende und Trainer des Boxclubs Eschwege sagt zu seinen Schützlingen vor dem Betreten des Trainingsgebäudes in der Eschweger Schillerstraße laut und deutlich: „Wir müssen die Masken aufsetzen! Haltet Abstand und denkt an die Regeln!“ Seine acht Boxer, denn mehr dürfen es laut den Bestimmungen aktuell nicht sein, halten sich an die Vorgaben. Desinfektionsmittel und Küchenrollen sind griffbereit, um den Medizinball sowie den Boden nach schweißtreibenden Übungen zu säubern.

Die Boxer, die sonst stets mit einem Partner trainieren und dabei Körperkontakt haben, müssen nun improvisieren und neue Wege gehen. Die intensiven Duelle im Sparring sind tabu. Dafür ist der Sandsack in das tägliche Training zurückgekehrt, um doch irgendwie an Kondition, Kraft und Koordination zu feilen. Unzählige Male schlagen die Athleten an das statische Ziel, das durch eine Seilbefestigung an der Decke dynamisch zurückschlägt.

Diar Osman verfolgt das Training genau. Der 21-jährige Syrer kam vor fünf Jahren nach Deutschland und hat sich über die Kontakte im Boxclub schnell integriert. „Nun hat er sogar die Ausbildung zum Übungsleiter gemeistert“, sagt Trainer Robert Staar und freut sich, denn er hat Osman schon vor einiger Zeit als Co-Trainer in sein Training eingebunden. Mit Mayar Pardes (27) aus Afghanistan hat Staar einen weiteren frisch ausgebildeten Übungsleiter im Team.

Erinnert die Boxtrainer in Eschwege an den jungen Henry Maske: Nico Hottmann aus Eltmannshausen.

Mit Sicherheitsabstand verfolgen beide die brachialen Schläge von Nico Hottmann. Der 14-Jährige wohnt in Eltmannshausen, ist 1,88 Meter groß und bringt 75 Kilogramm auf die Waage. Schnelle Positionswechsel und lange, kraftvolle Schläge zeichnen den athletischen Linksausleger aus. „27 Kämpfe hat Nico bestritten, 27 hat er durch einen Knockout gewonnen“, schwärmt Staar, der Hottmann eine rosige Zukunft prophezeit: „Er wird vorbereitet, um in diesem Jahr die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen.“

Während Staar in Hottmann den jungen Henry Maske wiedererkennt, hat er bei Ghulam Sedienh (19, Witzenhausen) nur einen Boxer vor Augen: Sven Ottke. „Ghulam ist genauso schnell auf den Beinen und mit seinen Körper-, Leber- und Kopfhaken unberechenbar“, erzählte Staar, der den Afghanen vier Jahre lang nur zum Training begrüßte. „Anfangs wollte er gar nicht kämpfen“, sagt die Eschweger Box-Legende, der den 65 Kilogramm-Halbweltergewichtsboxer behutsam vorbereitete. „Wenn wir reingehen, dann richtig“, waren stets die prägenden Worte von Staar. Seine Geduld wurde belohnt. Nach Sparringskämpfen in Erfurt, Gera und Straubing hat Sedienh seine ersten Kämpfe bestritten und gleich gewonnen. Deutlich, souverän, ohne Probleme.

Am Ende des Trainings werden Sedienh und Hottmann von Osman noch mal angespornt. „Motivation ist wichtig, niemand soll die Lust am Boxen verlieren“, betonte Osman und sagt unmissverständlich: „Unser Professor Robert hat uns das immer so vorgemacht.“

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