Frage nach dem Sinn des Ligaspielbetriebs

Tischtennis-Kreiswart Thomas Freitag: „Muss gespielt werden?“

Gehört seit Wochen zum Alltag eines jeden Tischtennisspielers: das regelmäßige Reinigen der Tischoberflächen. Foto: Marius Becker/dpa

In Kürze soll der Spielbetrieb im Tischtennis starten. Doch die jüngsten Corona-Hygienebedingungen für eine Rückkehrt des Sports sorgen für Unmut.

VON NICO BECK

Eschwege – Wahrscheinlich hat Thomas Freitag beim Tippen auf dem Tastaturfeld seines Computers noch leichte Bauchschmerzen verspürt, als er die E-Mail an alle Tischtennis-Vereine im Kreis verfasst hat. Denn das, was der Kreiswart darin fragte, das widerspricht seinem eigentlichen Interesse und Wirken. Freitag setzt sich seit Jahren mit schier unvergleichlichem Engagement für seinen Sport in der Region ein. Mit Blick auf den offiziellen Beginn des Spielkalenders am Montag schrieb Freitag in seiner Mitteilung: „Es darf wieder gespielt werden, aber muss auch unbedingt gespielt werden?“

Das Thema Sicherheit und Hygiene steht zwar über allem, dennoch geht es auch um Spaß, um soziale Kontakte, um Atmosphäre. Bei einem Ligaspiel steht nach den jüngsten Verbandsentscheidungen aber nicht mehr der Sport im Vordergrund. Die allgemeine Unzufriedenheit bei Tischtennisspielern – so ist es zu hören – ist in den vergangenen Tagen vielerorts deutlich angewachsen. Das weiß auch Freitag und wendet sich in seiner Mail an die Vereine: „Ich bin mir sicher, dass jetzt einige wegen dieser Regelungen schimpfen werden, aber es hilft nichts. Wenn ihr spielen wollt, dann unter diesen Bedingungen.“ Er selbst spiele für sein Leben gern Tischtennis, gestand aber im Gespräch: „Spaß macht es mir unter diesen Bedingungen aber nicht.“

In seiner Mitteilung fügte der 55-Jährige einen Hinweis des Verbandes an und zitierte die Bekanntgabe des HTTV: „Sollte sich im Laufe der Vorrunde herausstellen, dass die gemeldeten Mannschaften doch nicht wie gewünscht am Spielbetrieb teilnehmen können, werden seitens des HTTV für Zurückziehungen in allen hessischen Spielklassen bis zum 31.12.2020 keinerlei Gebühren anfallen.“

Die sportlichen Folgen eines Rückzugs müssten aber bedacht werden: Stand jetzt muss in der Folgesaison in der nächst tieferen Liga gespielt werden. Dies sei laut Freitag in gewisser Hinsicht zu umgehen. Seine Empfehlung: „Das Nichtantreten wird derzeit nicht bestraft. Wem es also momentan zu unsicher ist, der kann die ersten Spiele abwarten, weil man zwei Spiele ohne zu erwartende Konsequenzen aussetzen kann. Ab dem dritten wird man bekanntlich gestrichen.“ Das sagt er vor dem Hintergrund der gestrigen Information, dass nächste Woche aufgrund der Corona-Entwicklung in Südhessen eine Verbandssitzung stattfinden soll. In dieser soll womöglich über eine Aussetzung oder gar einen Saisonabbruch diskutiert werden. Das würden sicher viele Spieler begrüßen, wenngleich der Schaden nicht vorherzusehen ist.

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