Träume, Triple und Teamarbeit

Das war das Sportjahr 2020: Über diese Momente sprechen Sportler aus dem Werra-Meißner-Kreis

Eishockeyspieler Leon Draisaitl
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Der beste Eishockeyspieler der Welt: Leon Draisaitl aus Köln.

Das Sportjahr 2020 ist fast beendet. Während auf der lokalen Ebene bereits seit einigen Wochen der Spielbetrieb ruht, finden im Profisport die letzten Wettkämpfe erst am Silvestertag statt. Dennoch gab es auch jede Menge sportlicher Höhepunkte, die es zu würdigen gilt.

Die Coronapandemie hat das Jahr 2020 bestimmt. Begriffe wie „Geisterspiele“ bleiben hängen, auch abgesagte Sommer-Großveranstaltungen werden in der Geschichte verankert bleiben. Wir haben bei Sportlern aus dem Werra-Meißner-Kreis nachgefragt, welche Ereignisse ihre Spuren hinterlassen haben.

Holger Franke (Kreisfußballwart Werra-Meißner): Mir bleibt der harmonische Kreisfußballtag in Fürstenhagen in bester Erinnerung, ebenso die gelungene Austragung unseres Kreispokalfinales in Waldkappel unter schwierigen Bedingungen. Im Profisport waren der Sieg des Deutschland-Achters bei der Ruder-EM, aber auch der Tod von Fußball-Größen wie Diego Maradona, Rudi Assauer oder Hans Tilkowski bleibende Momente.

Wilhelm Gebhardt (Fußballer VfL Wanfried II und Bürgermeister Wanfried): Für mich war das Jahr eher enttäuschend aus Sicht eines Wanfrieder Fußballers. Wir hatten zum Jahresbeginn die große Chance auf den Gruppenligaaufstieg, ehe das Spielgeschehen unterbrochen wurde und die Entscheidung nicht auf dem Rasen fallen konnte. Im Weltsport hat mich der Tod von Diego Maradona sehr bewegt, den ich bei der WM 1986 in Mexiko als Ausnahmefußballer vor dem Fernsehen als Zehnjähriger bewundert habe.

Karl Montag (Ex-Handballer Eschweger TSV): Fast alle Sportarten wurden auf einmal ausgebremst. Dabei wurde versäumt, Randsportarten über das Fernsehen stärker in den Vordergrund zu rücken, lediglich beim Fußball wurde schnell wieder – wenn auch ohne Fans – der Spielbetrieb im Profibereich fortgesetzt. Eine Frage des Geldes. Für den Amateursport war 2020 eine mächtige Ohrfeige, wurden hier Plätze und Anlagen konsequent gesperrt.

Thomas Eckhardt (Ex-Fußballer und Bürgermeister Sontra): Auf der lokalen Ebene gab es zwei ganz persönliche Höhepunkte, über die ich mich sehr gefreut habe. Einmal der Aufstieg des Kegelvereins Sontra in die 2. Bundesliga, mit dem sich der Verein endlich für seine vorbildliche und einzigartige Jugendarbeit belohnt hat. Zum anderen die Tatsache, dass es uns gelungen ist, sowohl für die SG Sontra als auch den TSV Wichmannshausen neue LED-Flutlichtanlagen zu errichten. Ansonsten muss ich als bekennender BVB-Fan neidlos die Leistungen des FC Bayern mit dem Triple anerkennen.

Andreas Neitzel (Volleyballer Herleshausen/Eisenach): Mir tut es vor allem für die Kinder und Jugendlichen leid, die coronabedingt wenige Möglichkeiten hatten, ihrem Sport nachzugehen. Positiv war für mich, dass ich es geschafft habe, Maikel Buchenau im Tennis zu besiegen. Im Weltsport hat mich als passionierten Radfahrer vor allem die Tour de France in ihren Bann gezogen und auch die Austragung des Champions-League-Finals fand ich in der neuen Austragungsform reizvoll.

Rafal Klajnszmit (Fußballtrainer Lichtenauer FV): Das Sportgeschehen war gefühlt das ganze Jahr eingefroren. Beeindruckt hat mich während dieser Zeit die Solidarität der Fans, Verantwortlichen und Sportler auf der ganzen Welt, die Hoffnung für die Zukunft macht. Ein schönes Beispiel aus der Welt des Fußballs ist der Verkauf von 72 000 Geisterkarten in Dresden, mit denen die Fans ihren Verein finanziell unterstützt haben. Das Kreispokalfinale im Derby gegen Weidenhausen war ein Lichtblick für alle Fußballfans im Kreis.

Jan Gonnermann (Fußballer SV Adler Weidenhausen): Mein Höhepunkt ist der Auftritt meines FC Bayern über das gesamte Jahr. Als Fan des US-Sports bewundere ich auch die Leistung von Leon Draisaitl, der zum MVP der NHL im Eishockey gewählt wurde. Auf Kreisebene war es nach dem ersten Lockdown das Erlebnis, mit den Jungs wieder auf dem Platz zu stehen. Die Leistungen unserer zweiten Mannschaft und auch das Kreispokalfinale gegen Lichtenau gehören für mich ebenfalls zu den besten Momenten in diesem komisch-verrückten Sportjahr.

Christian Löbens (Handballtrainer ETSV): Lasse ich das Jahr Revue passieren, muss ich sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, was wir bis zum Saisonabbruch in der Landesliga gezeigt haben. Ich bin sicher, dass wir auch unter normalen Bedingungen den Klassenerhalt geschafft hätten, das war insgesamt eine großartige Teamleistung. Im Weltsport haben mich die Leistungen von Leon Draisaitl im Eishockey und LeBron James im Basketball sehr beeindruckt, die ihre herausragenden Fähigkeiten mehr als einmal demonstriert haben.

Christian Rimbach (Tischtennisspieler TSV Wichmannshausen): Lokal möchte ich vor allem die Verantwortlichen, Funktionäre und Vorsitzenden der Vereine loben, die schwere Entscheidungen zu treffen hatten und das sehr souverän moderiert haben. Ich hoffe auch, dass nach Pandemie Ende alle Sportler wieder zum Verein und zum Sport zurückkehren, damit das Vereinsleben wieder gelebt werden kann. Die Leistungen des FC Bayern waren der herausragende Höhepunkt im Jahr 2020. Auch wenn die Zuschauer fehlten.

Christa Beck (Tischtennisspielerin TTC Albungen): Ich war beim Weltcup der Skispringer in Willingen und mich beeindruckte die tolle Stimmung und die Fröhlichkeit der Fans, die aus so vielen unterschiedlichen Ländern angereist waren. Zudem fand ich es als Fan von Jürgen Klopp großartig, dass er mit seiner Mannschaft die Fußball-Meisterschaft in England gewonnen hat und dem FC Liverpool den ersten Ligatitel seit 30 Jahren schenkte. Darüber hinaus imponierte mir, wie es Vereine aus unserer Region mit großem Aufwand geschafft haben, ihren Mitgliedern die Rückkehr in den Trainigs- und Spielbetrieb zu ermöglichen. Bei unserem TTC ist das super gelaufen, wenngleich der Spielbetrieb dann wieder offiziell unterborchen wurde.

Matthias Meinl (Handballtrainer SV Reichensachsen): Unser Aufstieg in die Landesliga war der Höhepunkt, auch wenn die Feier leider gefehlt hat. Weiterhin ist mir der Zusammenhalt der Sportler in guter Erinnerung geblieben, durch Social Media konnten wir verbunden bleiben und Trainingseinheiten gestalten. Zu Recht Deutschlands Sportler des Jahres geworden ist Leon Draisaitl. Was er dieses Jahr geleistet hat, stellt alles andere in den Schatten.

Felix Berger (Fußball-Schiedsrichter TSV Herleshausen): Trotz Corona kann ich viele schöne Erlebnisse mitnehmen. Mit dem Aufstieg in die Regionalliga ist mein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Respekt habe ich auch vor der Leistung des Aufsteigers SV Adler II, der in der Gruppenliga tollen Fußball gezeigt hat. Kein Spaß hatte ich bei Geisterspielen im TV. Diese furchtbare Stille ohne jede Emotion haben es geschafft, dass ich keine Übertragungen mehr schaue.

Friedhelm Junghans (Ex-Fußballer und Bürgermeister Meißner): Ganz klar ist der überraschende Aufstieg unserer Jungs von der SG Abterode/Eltmannshausen in die Kreisoberliga der Höhepunkt auf der lokalen Ebene gewesen. Respekt zolle ich auch dem FC Bayern, der sich überragend präsentiert hat.

Daniel Hassenpflug (Handballtrainer HSG Datterode/Röhrda/Sontra): Positiv war der Gewinn des Titels für meinen Bruder Martin als Mechaniker von Sebastian Ogier bei der Rallye-WM. Negativ bleibt in Erinnerung, dass wir mit viel Einsatz und Intensität an Hygienekonzepten gearbeitet haben und letztendlich die Handballsaison bis heute doch nicht stattfand.

(Von Nico Beck und Stefan Konklowsky)

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