Abwehrspieler spielte einst bei der SV 07 Eschwege

Malte Kaiser aus Eschwege will in den USA den Sprung in den Profi-Fußball schaffen

Lebt in den USA und genießt dort „Trainingsbedingungen vom Feinsten“. Malte Kaiser will in Amerika das nächste Level in seiner Laufbahn erreichen.
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Lebt in den USA und genießt dort „Trainingsbedingungen vom Feinsten“. Malte Kaiser will in Amerika das nächste Level in seiner Laufbahn erreichen.

Malte Kaiser (21) hat trotz einiger Rückschläge seinen Traum von der Fußballkarriere noch lange nicht aufgegeben. Der Eschweger lebt inzwischen in den USA und will dort den Sprung in den Profifußball schaffen.

Der aus Eschwege stammende Rechtsverteidiger hatte im Jahr 2018 einen Vertrag bei der zweiten Mannschaft des SC Paderborn unterschrieben, schnupperte bei Testspielen und beim in Gummersbach ausgetragenen Schauinsland-Reisen-Hallenturnier im Januar 2019 sogar ins Profi-Team von Trainer Steffen Baumgart rein. Der große Karriereschritt blieb Kaiser aber zunächst verwehrt. Nach Unterzeichnung seines neuen Vertrags zur Saison 19/20 sanken seine Einsatzminuten in der Oberliga Westfalen rapide. Kaiser war unzufrieden, er haderte. Der Schrei nach Veränderungen wurde Ende 2019 immer größer.

Zur Person

Malte Kaiser (21) wurde in Eschwege geboren. Im Alter von 13 Jahren wechselte Kaiser von der SV 07 Eschwege in die C-Jugend des KSV Baunatal und wurde dank guten Leistungen in die Hessenauswahl berufen. Ein Jahr später folgte der nächste Wechsel. Kaiser schloss sich dem SC Paderborn an und etablierte sich in der C-Jugendmannschaft der Ostwestfalen als Leistungsträger. Weil er auch in der Westfalenauswahl zu glänzen wusste, lagen dem Rechtsverteidiger Angebot vom VfL Bochum und FC Schalke 04 vor. Kaiser entschied sich für den VfL und unterzeichnete einen Dreijahresvertrag, um in der U16, U17 und U18 von 2014 bis 2017 zu kicken. Im Sommer 2017 kehrte Kaiser nach Paderborn zurück und schloss sich der A-Jugendmannschaft an, für die er in der U19-Bundesliga in 23 Spielen 1909 Minuten auf dem Platz stand. Am 17. September 2018 wechselte Kaiser in den Seniorenfußball und bekam einen Vertrag bei der zweiten Mannschaft des SC Paderborn. In 17 Spielen und 1077 Einsatzminuten gelang Kaiser eine Torvorbereitung in der Oberliga Westfalen. Durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Behinderter Werkstatt in Paderborn schloss Kaiser 2019 das Fachabitur erfolgreich ab. Seit Januar 2020 spielt Kaiser für Newberry Wolves. Hobbys: Fifa spielen, Freunde treffen, Religion. Ledig, keine Kinder. mhz

Dank des Rats eines Freundes entschied sich Kaiser für einen etwas anderen Weg. Der 1,71 Meter große Rechtsverteidiger will in den USA über eine College-Mannschaft den Sprung in den bezahlten Fußball schaffen. Hierfür muss er sich mit starken Leistungen für den sogenannten Super-Draft der Major League Soccer empfehlen. Beim Draft können sich die Teams der Profiliga nacheinander Nachwuchsspieler aus den Colleges aussuchen und verpflichten. Das schlechteste Team des Vorjahres darf als Erstes wählen. Bestenfalls könnte Rekordmeister, die Los Angeles Galaxy, oder Inter Miami mit Eigentümer David Beckham bei Kaiser vorstellig werden.

Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht. Denn „Soccer“, wie Fußball in den USA heißt, boomt, immer mehr Teams werden in die Profiliga MLS aufgenommen. Und diese Teams brauchen gut ausgebildete Spieler.

Aber Kaiser muss nun erst mal seine Hausaufgaben machen. Er ist einer von vielen deutschen Nachwuchsspielern, die sich durch ein Stipendium ihr Studium an einer US-Universität finanzieren. Eine Vermittlungsagentur hat ihn zu den Newberry Wolves gebracht. Im Bundesstaat South Carolina, zwei Autostunden von Charlotte entfernt, fühlte sich Kaiser pudelwohl. Obwohl er wegen der Corona-Pandemie ein Jahr ohne Pflichtspiel überbrücken musste, ist der Eschweger angekommen: „Die Verständigung war anfangs schwierig, aber zwei deutsche Mitspieler haben mir sehr viel geholfen, das hat super gepasst.“

Für eine hochkarätige Universität, zum Beispiel in Michigan oder Alabama, hat es nicht gereicht. Nach einem Arzttermin, in dem auch die Verletzungshistorie exakt dokumentiert wurde, stand ein Englisch-Test auf dem Programm. Kaisers Ergebnisse waren zufriedenstellend, aber nicht gut genug. „Du kannst Lionel Messi sein, wenn du ein schwaches Englisch-Ergebnis hast, dann kommst du nicht zu den Top-Universitäten“, ärgerte sich Kaiser, der morgens und abends mit seiner Mannschaft trainiert. In der Trainingsgestaltung liege der Fokus mehr auf Athletik und Krafttraining, betont er, ehe er im Video-Telefonat einen anderen Aspekt hervorhebt: „Das Fußballergeschäft ist nicht ohne. Aber der Umgang an der Universität ist menschlicher, familiärer. Etwas mehr christlich, die Menschen haben mehr Demut. Das gefällt mir.“

Schnell, robust und laufstark. Mit diesen drei Fähigkeiten beschreibt Kaiser seine Spielweise, an der er täglich feilt. „Für meine Weiterentwicklung sind die Trainingsbedingungen vom Feinsten“, sagt er, der sich oft auf dem Rad warmmacht und nach dem Training mit Mobilisations- und Dehn-übungen die Regeneration ankurbelt. Wird Kaiser so schnell nach Deutschland zurückkehren? „Irgendwann schon, aber meine fußballerische Karriere will ich in Amerika auf das nächste Level hieven und dabei werde ich mein Bachelorstudium machen. Das wäre in Deutschland aus zeitlichen Gründen so schon gar nicht möglich gewesen.“

INTERVIEW MIT MALTE KAISER

Der Eschweger Malte Kaiser hat den Traum, als Profifußballer seine Brötchen zu verdienen. Wir haben mit Kaiser gesprochen über…

…die SV 07 Eschwege.

Ich bin rückblickend unglaublich dankbar über die Ausbildung bei der SV 07 Eschwege. In dieser Zeit wurde der Grundstein für alles gelegt. Ich bin glücklich, dass man sich heute immer noch kennt. Meine alten Mitspieler und Trainer wiederzusehen, macht viel Spaß.

…seine Heimat.

Meine Familie ist mir sehr wichtig. Obwohl ich, seit ich 14 Jahre alt bin, nicht mehr zu Hause wohne. Ich kehre immer wieder gerne nach Hause zurück, auch wenn es nur zweimal im Jahr ist. Im Sommer bin ich zumeist zwei Monate in Eschwege und genieße die Zeit.

…Religion.

Mein Glaube hat mich durch viele schwierigen Zeiten getragen. Ich bete täglich und lese die Bibel. Ich habe in der Corona-Zeit an einem Online-Gottesdienst mit anderen Fußball-Profis teilgenommen. Marcelo Bordon, Philipp Max, Eduard Löwen, Felix Uduokhai und David Alaba nahmen ebenfalls an diesen Gottesdiensten teil. Auch in den USA nehme ich noch regelmäßig an diesen Online-Gottesdiensten teil.

…seine Vorbilder.

Serge Aurier von den Tottenham Hotspurs und Kyle Walker von Manchester City schaue ich mir genau an. Beide sehr körperlich und robust. Offensiv und defensiv setzen sie Akzente, sind Hitzköpfe und hauen auch mal dazwischen, wenn es sein muss. Sie sind echte Mentalitätsspieler.

Von Marvin Heinz

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