Einst eine bundesweite Volleyball-Hochburg und zweimal Deutscher Meister 

Paukenschlag: VG Eschwege meldet den Spielbetrieb ab

Alles gegeben hat in den vergangenen Jahren unter anderem VGE-Spielerin Greta Brockmann. Foto: Marvin HEinz/nh

Die VG Eschwege war einst eine Volleyball-Hochburg, nun wird der Spielbetrieb (vorerst) abgemeldet. Laut Vereinsangaben kann keine Mannschaft mehr gestellt werden. 

VON MARVIN HEINZ

Eschwege – Am 7. Juli 1970 wurde die Volleyballgemeinschaft Eschwege in der Gaststätte Luisenhof gegründet. Bis heute gilt der Verein als einer der erfolgreichsten überhaupt im gesamten Kreisgebiet. Das belegt schon ein kurzer Auszug aus der schier unendlich lang erscheinenden Siegerliste, auf der zwei Deutsche Jugendmeistertitel (1979/1981), eine Deutsche Vizemeisterschaft (1981), neun Landes- und vier Bundessiege im Wettkampf „Jugend trainiert für Olympia“ stehen. Die Mannschaften waren auf Bezirks- und Hessenebene über Jahre kaum zu besiegen.

In der kommenden Saison wird die VGE aber nicht mehr am aktiven Spielbetrieb teilnehmen. Einer der Gründe: Der Aderlass in der Damenmannschaft ist zu groß. Schlüsselspielerin Henrike Hasecke geht ins Ausland. „Und sechs weitere Spielerinnen stehen nicht mehr zur Verfügung“, sagt Trainer Rüdiger Thomas. „Wir haben keinen Karl Wilhelm Trau mehr, der die Spielerinnen zu uns hochführt. Uns fehlt schlichtweg der Nachwuchs.“ Zwar hätte die Mannschaft durch Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft komplettiert werden können, aber laut Vereinsangaben wäre „der Leistungsunterschied dann einfach zu groß“.

Auch ein Neuanfang in einer niedrigeren Klasse wurde thematisiert, aber verworfen. „Es bringt nichts, weil die meisten Spielerinnen nach dem Abitur Eschwege sowieso verlassen. Es war klar, dass es irgendwann passieren würde“, erzählt Rüdiger Thomas und fährt fort, „dass wir nach dem Tod von Karl Wilhelm Trau noch zwei Titel geholt haben, war das Sahnehäubchen.“

Eine Spielgemeinschaft mit der in die Bezirksoberliga aufgestiegenen TV Sontra stand dem Vernehmen nach nie zur Debatte.

Trainingseinheiten sollen aber weiterhin angeboten werden, Jugendmannschaften werden jedoch vorerst nicht gemeldet. „Pausenvolleyball und Training wird Ilse Trau weiterhin machen, aber den Spielbetrieb allein kann sie nicht mehr stemmen“, so der Vorsitzende Michael Langlotz, der die Leistung der 70-Jährigen in den höchsten Tönen lobte. Er versichert: „Von Jahr zu Jahr werden wir probieren, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen.“

Gründungsmitglied und Mr. Volleyball, Gerhard Vaupel (90), sagte einst: „Stets waren genügend Frauen und Männer bereit, als Übungsleiter und Trainer Verantwortung zu übernehmen. Mit ihrer Arbeit haben sie für Impulse gesorgt.“ Die großen Erfolge blieben zuletzt aus, aber dank einer talentierten Mannschaft keimte aber Hoffnung auf. 2017 schafft die Damenmannschaft der VG Eschwege den Aufstieg in die Bezirksliga. Und das ohne Niederlage. 2018 folgte der Durchmarsch in die Bezirksoberliga. Zwei Jahre lang haben die Spielerinnen kein Spiel verloren. Das Team wurde auf dem Sportehrentag des Werra-Meißner-Kreises zweimal ausgezeichnet.

In der abgelaufenen Bezirksoberliga-Spielzeit hatten die Kreisstädterinnen viele Partien knapp verloren und sicherten sich erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Dabei beeindruckten die VGE stets durch eine technisch versierte Spielweise.

HINTERGRUND

Im Jahr 1955 fasste der Volleyballsport aus den USA in Deutschland Fuß, der Deutsche Volleyballverband wurde in Kassel gegründet. 1964 wurde die Sportart erstmals in der Region in Sontra ausgeübt. In Eschwege dauerte es etwas länger, ehe sich eine Gruppe Lehrer zusammenfand, die regelmäßig über das Netz schmetterten. Schnell wurde die VG Eschwege weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Es wurde eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. 1979 (weibl. D-Jugend) und 1981 (männl. Jugend C) wurde die VGE Deutscher Jugendmeister und Deutscher Vizemeister. Darüber hinaus wurden zwischen 1972 und 2006 109 Bezirksmeisterschaften gewonnen, 47 Hessen- und 33 Südwestmeisterschaften. Viele Berufungen in Länderauswahlen und die Junioren-Nationalmannschaft belegten weiterhin die Klasse der Jugendarbeit. 1981 belegte Eschwege in der Wertungstabelle des DVV Platz zwei hinter der Hochburg VC Schwerte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare