Kreisoberligist stellt neuen Übungsleiter vor - Berühmt durch Klinsmanns Tonnentritt

Sensation beim TSV Waldkappel: Ex-Bayern-Profi Carsten Lakies neuer Trainer

Eike Immel, links, und Carsten Lakies mit der Werbetonne von Sanyo
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Untrennbar mit Carsten Lakies’ (rechts) Namen verbunden ist die Sanyo-Werbetonne, in die einst Jürgen Klinsmann ein Loch getreten hatte. Hier posiert neben Lakies Torwart-Legende Eike Immel mit dem legendären Stück. 

Was für eine Überraschung im heimischen Fußball: Kreisoberligist TSV Waldkappel hat am gestrigen Sonntag Ex-Bundesligaprofi Carsten Lakies als neuen Trainer vermeldet.

Den Carsten Lakies, der in der Saison 1996/97 für den FC Bayern München spielte und unfreiwillig berühmt wurde, als er im Spiel gegen den SC Freiburg von Trainer Giovanni Trapattoni für Jürgen Klinsmann eingewechselt wurde und Klinsmann im Anschluss zu seinem legendären Tritt in eine Werbetonne ansetzte. Nun trainiert der frühere Bundesligaspieler den TSV Waldkappel und bleibt vorerst bis zum Saisonende.

Zur Person

Carsten Lakies (49) wurde in Kassel geboren und lebt heute in Großenritte. Der ehemalige Mittelstürmer spielte in der Jugend und später für den KSV Hessen Kassel. Sein Weg führte ihn 1996 von Darmstadt 98 zum FC Bayern in die Bundesliga, ein Jahr später zu Hertha BSC (1997 - 1998). Er spielte viermal in der 1. Liga und 30-mal in der 2. Bundesliga für Chemnitz, Karlsruhe und Kassel. Lakies trainierte unter anderen den KSV Baunatal (2008 - 2010), die SVG Göttingen (2010 - 2011) und den FSC Lohfelden (2011 - 2013). Anschließend machte er seinen Fußball-Lehrer – und drückte dabei die Schulbank unter anderem mit Sebastian Hoeneß und Achim Beierlorzer.

„Carsten Lakies ist wie ein Sechser im Lotto für uns“, sagt Henrik Stöber, der Vorsitzende der Fußballabteilung des TSV Waldkappel, „anfangs haben wir etwas rumgesponnen und nach einem passenden Trainer geschaut und dabei auch über den Tellerrand hinausgeschaut. Dass wir Carsten Lakies tatsächlich für uns gewinnen können, das schien im Grunde unmöglich zu sein. Aber wir haben es versucht, ihm unser Konzept vorgestellt und nun ist es Fakt, dass er uns trainiert. Das freut uns riesig!“

Dass wir Carsten Lakies tatsächlich für uns gewinnen können, das schien im Grunde unmöglich. Aber wir haben es versucht, ihm unser Konzept vorgestellt und nun ist es Fakt, dass er uns trainiert.

Henrik Stöber, Vorsitzender der Fußballabteilung des TSV Waldkappel

Dass dieser Coup glückte, das war vor allem auch Marco Gallinat zu verdanken. Der Vorsitzende des Fördervereins „12 Freunde“ stellte den Kontakt her und ist glücklich, dass Lakies überzeugt wurde: „Mit Carsten haben wir einen echten Leuchtturm im Fußball für Nordhessen bekommen. Er steht für all das, was wir im Verein erreichen wollen. Es ist ein Glücksfall für den Verein und die Mannschaft. (...) Solche Chancen bekommt man nicht oft.“

Mitte November hatte sich der Achtligist von seinem bisherigen Trainer Michael Bös getrennt, der sechseinhalb Jahre für den TSV Waldkappel an der Seitenlinie stand.

Fußball-Chef des TSV Waldkappel: Henrik Stöber.

Ex-Profi Lakies wird in der Pressemitteilung des Vereins wie folgt zitiert: „Ich bin in Nordhessen geboren und hier aufgewachsen. Als mir der TSV Waldkappel und die 12 Freunde ihr Konzept "Fußball aus der Heimat – für die Heimat" mit einem sehr starken Jugendbezug vorstellten, war ich sofort begeistert. Dafür bringe ich mich gerne ehrenamtlich ein. Ich kann hier einem sehr jungen Team helfen, in der Rückrunde den Klassenerhalt in der Kreisoberliga zu schaffen, und der Mannschaft für die Zukunft einige neue Strukturen geben. Ich freue mich auf den TSV – für mich eine echte Herzensangelegenheit.“

Nach der aktiven Karriere führte er im Jahr 2011 den FSC Lohfelden aus der Verbandsliga in die Hessenliga, trainierte auch den KSV Baunatal. Lakies ist ausgebildeter Fußball-Lehrer und drückte die Schulbank unter anderem gemeinsam mit Sebastian Hoeneß und Achim Beierlorzer.

Von Nico Beck

Carsten Lakies.

Kommentar von Sportchef Nico Beck

Ja, is’ denn heut scho’ Weihnachten?“ – Diese legendäre Frage von Fußball-Ikone Franz Beckenbauer, die einst immer und immer wieder in einem Werbespot zu hören war, war das Erste, was mir beim Waldkappeler Trainer-Coup durch den Kopf geschossen ist. Denn es wirkt irgendwie unrealistisch, dass der abstiegsbedrohte Kreisoberligist – das ist die achte Liga im deutschen Fußball – künftig von einem ehemaligen Bundesligaspieler trainiert wird. Aber es ist wahr.

Der TSV hat sich selbst ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk gemacht und lässt dabei auch den gesamten Fußballkreis Werra-Meißner jubeln. Das sollte man keinesfalls vergessen, denn einen solch namhaften Ex-Profi für sich zu gewinnen, das ist ein Gewinn für die gesamte Region. Und diese Tatsache zeigt, dass auch Erwachsene niemals aufhören sollten zu träumen. Mitte November wurde Michael Bös nach sechseinhalb Jahren entlassen. Dann begannen die Verantwortlichen beim TSV zu träumen. Von einem großen Namen, der – wie auch immer – für sich gewonnen werden sollte. Wochen später haben sie es geschafft. Der TSV Waldkappel hat bewiesen, was mit einer Vision, einem klaren Konzept und harter Arbeit möglich ist. Der Grundstein für die restliche Saison ist gelegt. Nun bleibt zu hoffen, dass diese ob der Coronakrise ausgespielt werden kann. Und ein Ex-Bundesligaprofi im Werra-Meißner-Kreis zu sehen ist. nic@werra-rundschau.de

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