FUSSBALL-HESSENPOKAL Adler Weidenhausen unterliegt Regionalligist knapp

Trotz 0:2-Niederlage: Viel Lob nach überragendem Auftritt

Die Enttäuschung ist groß: die Weidenhäuser Mittelfeldspieler Kilian Löffler (links) und Tim Ullrich kurz nach dem Abpfiff. Alle Fotos: Marvin Heinz

Der Traum des SV Adler im Hessenpokal ist ausgeträumt. Am Mittwoch verlor der Verbandsligist gegen den zwei Klassen höher spielenden TSV Steinbach trotz starker Leistung mit 0:2.

So richtig hat es bei niemandem im Weidenhäuser Lager geklappt, die Enttäuschung über das Ausscheiden im Hessenpokal am Mittwoch zu verbergen. Dafür war die Partie gegen den hohen Turnierfavoriten und Regionalliga-Dritten zu umkämpft, zu eng, zu überzeugend vonseiten der Gastgeber. Trainer Maikel Buchenau unmittelbar nach dem Schlusspfiff: „Ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen, deshalb ist es auch so bitter und die Jungs sind alle enttäuscht. Aber wir haben uns nichts vorzuwerfen und es insgesamt super gemacht.“

Das sahen auch die meisten der 1400 Zuschauer so und applaudierten dem unterlegenen Außenseiter, als dieser nach rund zehn Minuten nach dem Schlusspfiff geschlossen in Richtung Vereinsheim lief. Das bewies, wie großartig der Auftritt des SV Adler war. Diesen lobten auch die Akteure der Gäste. Steinbachs Doppeltorschütze und Matchwinner Sascha Marquet: „Respekt vor dem Adler, sie haben das heute klasse gemacht.“ Verteidiger Nico Herzig sagte: „Die Atmosphäre hier war bombig und Weidenhausen hat uns alles abverlangt. Sie standen ja nicht umsonst im Viertelfinale. Kompliment dazu.“

Doch was haben die Gastgeber denn so gut gemacht, weshalb sie von allen Seiten gelobt werden – und wieso stehen sie nun aber nicht im Halbfinale?

Steinbachs Trainer Adrian Alipour fasste zusammen: „Es war ein absoluter Pokalfight und wir haben 20 Minuten gebraucht, um ins Spiel zu kommen.“ Unglaublich, aber war: Der SV Adler war tatsächlich in der Anfangsphase das klar tonangebende Team, sodass Fußball-Laien beim Blick auf die Partie vermutet hätten, die in Grün spielenden Weidenhäuser wären der hohe Favorit aus der Regionalliga. Zur Verdeutlichung: Von Beginn an lief der SVA rasant an, störte Steinbach beim Spielaufbau, drückte mit enormem Tempo und suchte bei Ballgewinnen selbst sofort den Weg zum gegnerischen Tor. Zwei Gelbe Karten für die Gäste nach 13 Minuten und zwei Riesenchancen für Weidenhausen in der Anfangsviertelstunde zeigten, dass der SVA aktiver war, Steinbach zunächst nur die passive Rolle einnahm.

„Wenn einer dieser beiden Schüsse reingeht“, mutmaßt Trainer Buchenau, „wer weiß, wie es dann weitergeht?“ Er bezieht sich auf einen satten Schuss von Tim Gonnermann (4.), der haarscharf über die Torlatte flog und einen direkten Freistoß von Sören Gonnermann (12.), den TSV-Torhüter Raphael Koczor von der Linie kratzte. „Viele Zuschauer, die einen guten Blick hatten, haben sogar gesagt, dass der Ball hinter der Linie war“, berichtet Teammanager Stefan Stederoth über die größte Adler-Chance, in der der souveräne Schiedsrichter Alexander Wahl aber wohl korrekt entschied. Genau wie bei den folgenden strittigen Elfmeterentscheidungen auf der anderen Seite, als unter anderem Serhat Ilhan (33.) im Strafraum zu Boden ging und die Gästebank vehement Strafstoß forderte. Ansonsten war der Gast nur einmal brandgefährlich, als ein Schuss von Kevin Lahn Millimeter am Pfosten vorbeistrich. Sonst überzeugten die Platzherren.

Adler-Ehrenpräsident und Vereinslegende Klaus Füllgrabe: „Beim 0:0 zur Halbzeit habe ich noch an das Wunder geglaubt. Bis dahin war das bärenstark von uns.“ Bemerkenswert blieb der Auftritt auch in der Folge, auch wenn Sascha Marquet nach klarem Strafstoß (54.) und per traumhafter Direktabnahme (84.) den 2:0-Endstand für den Regionalliga-Dritten besorgte, der nun den Hessenpokal gewinnen und in die 1. Runde des DFB-Pokals einziehen will. Bitter aus Sicht der Weidenhäuser: Das 2:0 fiel nur zwei Minuten nach einem offensiven Wechsel, als mit Jerome Kirschner ein weiterer Stürmer eingewechselt wurde und man das 1:1 erzwingen wollte. „Sei’s drum“, sagt Trainer Buchenau, „wir hatten dieses Vollprofi-Team am Rande eines Unentschiedens und sie brauchten einen Elfmeter, um in Führung zu gehen.“ Adrian Alipour freute sich, sagte kurz und knapp: „Verdient weitergekommen, das freut uns.“ Verdient ja, aber mit einem blauen Auge.

STIMMEN ZUM SPIEL

Viel wurde nach Spielschluss über das verpasste Wunder gesprochen. Wir haben Stimmen gesammelt:

Jan Gonnermann (SV Adler, zentrales Mittelfeld): „Steinbach war die Spitze des Eisbergs, der härteste Gegner, den du bekommen kannst. Wir haben wieder ein Riesenspiel geboten vor einer sensationellen Kulisse. Bis auf das Ergebnis hat alles gepasst.“

Stefan Reuß (Landrat und HFV-Präsident): „Großes Kompliment an Weidenhausen, sie können stolz sein, das war eine gute Leistung. Trotz des Ausscheidens muss sich niemand verstecken. Ganz im Gegenteil. Auch die Leistung des Schiedsrichtergespanns hat mir gut gefallen.“

Friedhelm Junghans (Bürgermeister Gemeinde Meißner): „Man hat nie den großen Unterschied gesehen, es war ein toller Fußballabend. Der SV Adler hat eine Riesenwerbung für die gesamte Gemeinde Meißner, den gesamten Kreis und Nordhessen betrieben. Es war Wahnsinn! Was für ein tolles Pokaljahr!“

Sören Gonnermann (SV Adler, Stürmer): „Am Ende zählt nun mal, wer die Tore macht. Der Elfmeter war der Dosenöffner, bis dahin waren wir super im Spiel und der Gast hatte kaum Chancen. Wir haben immer wieder Nadelstiche gesetzt. Jeder hat alles rausgehauen, so viel bin ich selten gelaufen. Aber so ein Spiel ist einmalig, man läuft bis zum Blut.“

Sascha Marquet (TSV Steinbach, Doppeltorschütze): „Wer Hessen Kassel 4:1 besiegt – und das auch überzeugend – der kann schon richtig kicken. Wir waren gewarnt und wussten, was uns hier erwarten würde. Uns war klar, dass wir hinten raus besser werden, schließlich trainieren wir jeden Tag und sind konditionell klar im Vorteil.“

Nico Herzig (TSV Steinbach, Innenverteidiger): „Der kleine Sören Gonnermann im Sturm hat sich unfassbar reingehauen, das war echt eklig für uns Verteidiger. Die Hauptsache ist, dass wir weiter sind. Der Adler stand nicht umsonst im Viertelfinale, die waren stark.“

Johannes Klotzsch (SV Adler, Torhüter): „Ärgerlich, dass sie den Elfmeter zur Führung gebraucht haben. Das zeigt, wie gut wir im Spiel waren. Aber der Strafstoß war natürlich berechtigt, ich musste beim Herauslaufen volles Risiko gehen und habe den Spieler klar getroffen.“

Dennis Nguyen (SV Adler, Rechtsverteidiger): „Noch nie habe ich gegen eine Regionalligamannschaft gespielt. Und dass wir uns so verkauft haben, das macht einen schon stolz, weil so ein Spiel auch ganz anders ausgehen kann. Ich denke, das war heute große Werbung für den gesamten Werra-Meißner-Kreis. Vielen Dank an das ganze Adler-Umfeld. Nur dank ihnen, mit allem, was sie auf die Beine gestellt haben, ist es uns Spielern auch möglich, so eine Leistung abzuliefern und mitzuhalten.“

Klaus Füllgrabe (SV Adler, Ehrenpräsident): „Wieder einmal eine riesige Werbung und ein großer Tag für unseren Verein. Zur Halbzeit habe ich noch an das Wunder geglaubt. Das war bärenstark von uns, es gibt gar nichts zu bemängeln.“

nic

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