Zweitägiges Training für Kinder und Jugendliche zum 100-jährigen Bestehen

Interview mit Fußball-Legende und Weltmeister Guido Buchwald über seinen Sontra-Besuch

In einer Woche in Sontra: Fußball-Legende Guido Buchwald. Foto: Friedhelm Eyert/nh

Fußball-Legende Guido Buchwald trainiert nächste Woche Donnerstag und Freitag (20./21. Juni) Kinder und Jugendliche in Sontra. Der Weltmeister leitet ein Trainingscamp.

VON NICO BECK

Sontra – Fußball-Legende Guido Buchwald ist der wohl prominenteste Gast des 100-jährigen Bestehens der SG Sontra. Der Weltmeister von 1990 und Ikone des VfB Stuttgart trainiert am Donnerstag und Freitag (20./21. Juni) Kinder und Jugendliche in Sontra (siehe Hintergrund). Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Buchwald, die wenigsten Kinder kennen Ihren Werdegang. Wie stellen Sie sich ihnen vor?

Ich selbst stelle mich nicht wirklich vor. Das wird von Jörg-Friedrich Schmidt von der Sparkassenversicherung übernommen, der was zu den Laufbahnen der Trainer und von mir sagt. Ansonsten wissen viele Kinder aber über das Internet schon Bescheid, mit wem sie es zu tun haben. Spätestens am zweiten Tag.

Auf was für einen Typ können sich die Kids in Sontra freuen?

In jedem Fall auf einen, der versucht, Spaß zu vermitteln. Die Freude am Fußball steht im Vordergrund. Natürlich will ich den Kindern auch was beibringen. Es gibt in den Gruppen große Leistungsunterschiede, weshalb wir ganz individuell auf jedes Kind eingehen.

Sie haben im Fußball alles erlebt und alles erreicht. Was ist das Entscheidende, was Sie Kindern mit auf den Weg geben können?

Wichtig ist in jedem Fall der Respekt. Untereinander in der Mannschaft und auch gegenüber des Gegners. Man sollte sich gegenüber anderen so verhalten, wie man selbst behandelt werden möchte. Klar, das ist auf dem Fußballplatz nicht immer so leicht, aber gerade ich, als Externer, finde da bei den Kindern der Region vielleicht etwas mehr Gehör. Gerade auch als Weltmeister.

Wie schwer ist es heute, Fußballprofi zu werden?

Millionen Kinder wollen Profi werden. Ein Team hat aber nur rund 20 Spieler, daher ist es wirklich schwierig, den Traum auch zu leben. Trotzdem sollte man es immer versuchen. Aber, und das finde ich ganz wichtig, sollten andere Dinge nicht vernachlässigt werden. Die Schule zum Beispiel. Denn klar ist: Nur wer auch in der Schule ordentlich und diszipliniert ist, kann auch Profi werden. Das sind wichtige Bausteine im Profigeschäft.

Wie haben Sie den Sprung zu den Profis geschafft?

Ich sage immer: Maradona war ein Künstler, ich war ein Arbeiter. Die meisten, die in höheren Ligen spielen, haben eine richtig gute Basis, sind hoch veranlagt, große Talente. Aber Talent allein reicht nicht. Man muss besser sein als die anderen. Und das geht nur über harte Arbeit. Und ich habe hart gearbeitet.

Gibt es einen Traum, der sich trotz WM-Titel und Meisterschaft nicht erfüllt hat?

Ja, sicherlich. Zum Beispiel der EM-Titel 1992 im Finale gegen Dänemark. Ich bin nie Europameister geworden, aber es wäre möglich gewesen. Auch den DFB-Pokal hätte ich mit Stuttgart gern geholt. Aber nicht jeder Wunsch erfüllt sich. Das ist auch gut so. Würde alles völlig perfekt laufen, dann hätte man keine Freude mehr an Kleinigkeiten.

Aber Sie hatten eine Traumkarriere, oder?

Das stimmt. Ich bin rundum zufrieden, wie alles gelaufen ist. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch, der aber auch recht viel Glück hatte.

Im Februar sind Sie als Aufsichtsrat des VfB Stuttgart zurückgetreten, vor Kurzem ist der Verein in die 2. Liga abgestiegen. Haben Sie überhaupt noch Lust auf Fußball?

Es gibt immer mal Dinge, die nicht so klappen, wie man es sich wünscht. Ich bin zurückgetreten, weil einige Dinge in falsche Bahnen gelaufen sind. Trotzdem bin ich beim VfB immer mit ganzem Herzen dabei. Unser Abstieg war sehr bitter – und vermeidbar. Es ist hart, aber das mindert meine Lust auf Fußball nicht.

Sie reden von „unser“ Abstieg?

Der VfB Stuttgart ist mein Herzensverein. Ich bin der einzige Ehrenspielführer und habe dem Verein viel zu verdanken. Ich bin und bleibe immer Stuttgarter.

Gelingt die sofortige Rückkehr in die 1. Liga?

Davon bin ich schon überzeugt, ja. Wir haben schon 2016/2017 die Erfahrung in der 2. Liga gemacht und wissen, dass dort ein anderer Fußball gespielt wird. Alle sind motivierter, wenn sie gegen dich spielen, da du zu den großen Hausnummern in dieser Liga gehörst. Du darfst gegen die unteren Mannschaften keine Punkte liegenlassen. Das Wichtigste ist, dass jetzt ein guter Kader zusammengestellt wird aus jüngeren Spielern und gestandenen Profis, die die Situation und den Kampf in der 2. Bundesliga annehmen.

ZUR PERSON

Guido Buchwald (58) gilt als einer der besten Defensivspieler in der Geschichte des deutschen Fußballs. Die Krönung seiner Karriere, die 1983 beim VfB Stuttgart begann, war der Gewinn des WM-Titels 1990 in Rom. Er spielte 76-mal für die Nationalmannschaft. 1992 köpfte Buchwald in der 86. Minute gegen Bayer Leverkusen das entscheidende 2:1 zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft des VfB Stuttgart, für den er von 1983 bis 1994 spielte, ehe er nach Japan wechselte, wo er später auch als Trainer arbeitete. Insgesamt wurde er zweimal Deutscher Meister. Im Februar dieses Jahres trat er nach internen Konflikten von seinem Posten im Aufsichtsrat seines Herzensclubs zurück. Sein Spitzname lautet Diego.

HINTERGRUND ZUR VERANSTALTUNG

Die Fußballschule der Sparkassenversicherung mit Weltmeister Guido Buchwald gastiert am Donnerstag und Freitag (20./21. Juni) bei der SG Sontra für ein zweitägiges Trainingscamp. Unter dem Motto „Trainieren wie die Profis, Training mit dem Weltmeister“ können fußballinteressierte Jungen und Mädchen im Alter zwischen 6 und 15 Jahren jeweils von 9.30 bis 15.30 Uhr am Training teilnehmen. Die Teilnehmer werden mit Getränken, Obst und Gemüse sowie einem Mittagessen versorgt. Zum Beginn erhält jeder eine komplette Trainingsausrüstung (Trikot, Hose, Stutzen, Zip-Top) im Wert von über 70 Euro. Der Teilnehmerbetrag beträgt für beide Tage 69 Euro. Alle Infos bei Dirk Schade unter Telefon 0 56 53/53 88 und per Mail: dirk.schade@sparkassenversicherung.de.

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