Ruth Kalepp feiert 93. Geburtstag und ist eine der ältesten Fans überhaupt

Familie Kalepp aus Nesselröden lebt für Borussia Mönchengladbach

Die Söhne Harald (links) und Wilfried Kalepp mit Mutter Ruth, die heute ihren 93. Geburtstag feiert, vor dem „Borussia-Mönchengladbach-Haus“ in Nesselröden: Die Raute am grünen Gebäude, die Vogelscheuche im VfL-Trikot sowie die Banner dokumentieren echte Borussia-Liebe. Fotos: Harald Triller/wilfried kalepp

VON HARALD TRILLER

Nesselröden – „Gladbach ist unser Leben“, ja, in der Tat, die Borussia vom Niederrhein ist aus dem Leben von Ruth Kalepp sowie ihrer Söhne Wilfried und Harald nicht wegzudenken. Für den Außenstehenden ist das sofort erkennbar, wenn er vor dem Haus im Wildengraben in Nesselröden steht. Das mehrstöckige Gebäude ist grün angestrichen, womit eine der drei Vereinsfarben der Gladbacher weithin zu sehen ist. Die riesige Raute, das Emblem des fünffachen Deutschen Meisters, ziert die Ostseite und in nördliche Richtung, nur wenige Meter von der Haustür entfernt, wird mit dem springenden Fohlen das nächste Symbol dem Betrachter kundgetan.

„Das weiß jeder Fußballfan in Deutschland, dass unsere Spieler von Gladbach seit den 1970er-Jahren Fohlen genannt wurden. Die temporeiche und offensive Spielweise, mit der die weitgehend jungen Spieler seinerzeit die Bundesliga dominiert haben, bescherte dem Team diesen Spitznamen“, erklärt Wilfried Kalepp, der den Bogen zu seiner Mutter Ruth spannt, die am heutigen Freitag ihren 93. Geburtstag feiert. „Damit ist unsere Mutter nur 27 Jahre jünger als der Verein, der am 1. August 1900 gegründet wurde und somit in wenigen Tagen den 120. Geburtstag hat. Ich denke, sie gehört damit zu den ältesten Gladbachfans der Welt. Älteste Einwohnerin von Nesselröden ist sie ohnehin“, ergänzt Harald Kalepp, der nach Siegen der Borussia in der Nacht danach die Raute am Haus leuchten lässt. „Das ist ein wunderschönes Bild, wenn das große B hell gen Himmel scheint“, schwärmt Bruder Wilfried und deutet auf die vielen Banner hin, die rund um das Eigenheim platziert sind.

„Selbst die Vogelscheuche im Vorgarten trägt ein Trikot der Borussen. Zeitungsausschnitte aus vielen Jahrzehnten haben wir gesammelt und natürlich sind bei uns Fanartikel in Hülle und Fülle zu finden“, schmunzelt der 59-Jährige, der allerdings bedauert, dass in jüngerer Vergangenheit ein Mast vom Wind beschädigt wurde, der nun die riesige VfL-Fahne nicht mehr wehen lassen kann.

Wort gehalten: Das Haus wurde gestrichen

Wilfried Kalepp: „Fans sind wir schon seit vielen, vielen Jahren, schon zu Günter Netzers Zeiten, der uns 1973 zum Pokalsieg gegen Köln geschossen hat, fieberten wir mit. Damals war natürlich an das grüne Mönchengladbach-Haus in Nesselröden noch lange nicht zu denken. Dieser Gedanke geht zurück in die Saison 2010/2011, als das Team mit nur zehn Punkten das Tabellenende nach der Vorrunde zierte. Am 25. Spieltag waren wir mit 22 Punkten noch immer Träger der Roten Laterne, aber Hoffnung machte sich langsam, aber sicher breit. Und nach dem 2:0-Sieg gegen Hoffenheim am 25. März 2011 sagte mein Bruder: Wenn wir nicht absteigen, streiche ich unser Haus grün, lasse ein Fohlen malen und bringe die Raute an“, blickt er zurück auf den 34. Spieltag und Platz 16, der die Relegation gegen den Zweitligadritten VfL Bochum garantierte. Bruder Harald Kalepp: „Das Hinspiel haben wir am 25. Mai durch ein Tor von Igor de Camargo in der 93. Minute mit 1:0 gewonnen. Beim Rückspiel fabrizierte Havard Nordtveidt in der 24. Minute ein Eigentor, das bei uns Abstiegsängste aufkommen ließ. Aber zum Glück erlöste uns Marco Reus. Mit dem Ausgleich nach 72 Minuten hat er uns quasi vom Weg in die zweite Liga weit entfernt, denn nun hätte Bochum noch zwei Tore erzielen müssen“, denkt der 58-Jährige an viele Fahrten in den Borussia-Park zurück. Die letzte Tour fand am 22. Februar, direkt vor der Coronakrise, beim 1:1 gegen Hoffenheim statt.

Die Busfahrten waren ohnehin Highlights. „Wir haben uns mehrfach den Fanclubs aus Bebra und Gerstungen angeschlossen, auch Harald Zaremba vom SV Reichensachsen hat uns die Mitfahrgelegenheit bei Vereinsfahrten angeboten oder Robert Zeuch vom SV Adler Weidenhausen“, schwenkt Wilfried Kalepp innerörtlich zur Fußball-Familie Gonnermann: „Vater Burkhard und Sohn Sören, hier aus Nesselröden, sind ebenfalls eingefleischte Borussenfans.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare