Fußball-Gruppenliga: Heimische Mannschaften zwischen Traum und Albtraum

Deshalb sind Weidenhausen II und Reichensachsen die Überraschungen der bisherigen Saison

Spielen eine Fabel-Saison als Aufsteiger: Jerome Kirschner (15 Tore in elf Spielen) und der SV Adler Weidenhausen II.
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Spielen eine Fabel-Saison als Aufsteiger: Jerome Kirschner (15 Tore in elf Spielen) und der SV Adler Weidenhausen II.

Einen Monat früher als geplant sind die heimischen Fußballer aufgrund der Coronakrise in die Winterpause geschickt worden. Wir ziehen eine Bilanz des bisherigen Saisonverlaufs. Heute: die Gruppenliga Region Kassel, Gruppe 2.

Die aktuelle Situation

Der SV Kaufungen ist das beste Team der Liga und führt die Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung an. Die SG Kleinalmerode/Hundelshausen/Dohrenbach und der SV Adler Weidenhausen II stehen auf den Rängen drei und vier richtig gut da, vor allem den Weidenhäusern war eine solche Leistung als Aufsteiger nicht zugetraut worden. Packend der Abstiegskampf, in dem sich der SV Reichensachsen nach einer mächtigen Talfahrt wiederfindet.

Die meisten Mannschaften haben elf oder zwölf Spiele absolviert, sodass sich bei der Tabelle nach Quotientenregelung keine maßgeblichen Verschiebungen ergeben (siehe rechts).

SVA Weidenhausen II

So viel Lob wie in dieser Saison hat die zweite Mannschaft des SV Adler noch nie erhalten. Der SVA erlebt ein Märchen, einen Traum, ist das Team der Stunde. Als Aufsteiger ausschließlich in der breite des Kaders verstärkt, legte der SVA eine unvergleichliche Serie hin. Elf Spiele, zehnmal in Folge ungeschlagen – jedes Lob hat sich die Mannschaft rund um Trainer Alexander Henke absolut verdient.

Besonders stark präsentierte sich der Tabellenvierte auf dem heimischen Chattenloh. Fünf Siege und ein Unentschieden lautet die Bilanz aus den sechs Heimspielen, dabei wurden 17:7 Tore erzielt. Aber auch auswärts wurde nur am ersten Spieltag mit 0:1 in Kaufungen verloren, danach mit enormem Einsatz, Leidenschaft und mitunter auch späten Toren zwei Remis und zwei Siege erkämpft. Höhepunkte waren die beiden Derbys. Erst der deutliche 5:1-Erfolg in Reichensachsen, als die souveräne Spielweise sowie der Torhunger des Teams offensichtlich wurden; beim 2:2 gegen die SG Klein./Hun./Doh. bewies die Henke-Elf große Moral: 1:2-Rückstand kurz vor Schluss, 2:2 in der 94. Minute. „Da gehört aber auch immer etwas Glück dazu“, sagte Henke zur großartigen Saison, mutmaßt aber: „Vielleicht haben wir es uns ja auch erarbeitet.“

Ein gehöriger Anteil am Erfolg gebührt Jerome Kirschner, dem Stoßstürmer, der sich nach zwei Jahren in der Kreisoberliga großartig in der Gruppenliga zurechtgefunden und nach elf Spielen 15 Tore auf dem Konto hat. Auch diese Bilanz war so nicht zu erwarten. Fazit: Der SVA ist das Überraschungsteam schlechthin.

SV Reichensachsen

Mit einem großen Knall endete die Runde für den SV Reichensachsen am 17. Oktober: 0:10 in Grebenstein. 0:10! Diese Klatsche bedeutete den vorläufigen Tiefpunkt einer Hinrunde, die in jeder Hinsicht zum Vergessen war. Es war die siebte Niederlage in Folge. Wieso Mitte September der Faden so derart gerissen ist, das ist das große Rätsel beim SVR. Denn zuvor war das Team passabel gestartet mit sieben Punkten aus vier Spielen. Nichts deutete darauf hin, wie schlecht es weiterlaufen würde. Abteilungsleiter Harald Zaremba sagte im Interview: „Wir haben einfach zu viele Ausfälle.“ Und er gestand: „Man muss klar sagen, dass wir einen zu kleinen Kader für die Gruppenliga haben.“ Als Hoffnungsträger wurde im Sommer André Müller aus Thüringen geholt, der gute Ansätze zeigte, als Antreiber im Angriff aber nach zehn Einsätzen noch immer auf seinen ersten Treffer wartet. Den Reichensächsern gelang in sechs Heimspielen nur ein Sieg, viermal wurde verloren. Ebenfalls nur ein Sieg und vier Pleiten stehen auswärts zu Buche, dabei setzte es eine Torbilanz von 3:20. Rein sportlich dürfte dem SVR die Unterbrechung entgegenkommen, denn nun hat der Club Zeit, die Fehler zu beheben und 2021 mit neuem Elan in die Runde zu starten. Und vielleicht wird dann sogar das Feld von hinten aufgeräumt.

SG Klein./Hun./Doh.

Ein Mann steht im Fokus: Özkan Beyazit. Wahnsinn, wie der fast 40-jährige Neuzugang aus der Bezirksliga Göttingen bei der SG eingeschlagen ist. Mit 17 Toren schoss Beyazit fast die Hälfte aller Treffer seines Teams. Warum er trotz des hohen Fußballeralters noch mal wechselte? „Ich kann es nicht lassen“, sagte er im Sommer in einem Interview bei „Sportbuzzer“, sein Auftrag: „Ich soll Tore machen.“ Auftrag erledigt!

Beyazits Treffer waren aber auch nötig, denn sonst imponierte nur Florian Baldauf aus Grebendorf als Torschütze (6). Zwischenzeitlich lag die SG weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück, die Tabellenführung geriet außer Sichtweite. Nun ist das Team wieder in Schlagdistanz zur Spitze und wird auch im nächsten Jahr auf die Treffer von Özkan Beyazit hoffen.

Von Nico Beck

Torschützenliste der Gruppenliga

1. Özkan Beyazit (Kleinalm./H./D.) 17

2. Jerome Kirschner (Weidenh. II) 15

3. Tjarde Bandowski (Bergshausen) 13

4. Fabio Ohms (Zierenberg) 9

4.Leon Ungewickel (Grebenstein) 9

4. Eltioni Pietri (Rothwesten) 9

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16. Florian Baldauf (K/H/D) 6

25. Bastian Bachmann (Reichens.) 4

25. Martin Machacek (Reichens.) 4

25. Timo Söhngen (Reichens.) 4

25. Christian Steinmetz (SV Adler II) 4

Bester Torjäger der Liga: Özkan Beyazit von der SG Klein./Hun./Doh.

TOPS UND FLOPS

TOPS

Souveräner Erster: In jeder Hinsicht ist der SV Kaufungen das überragende Team der Liga. Sogar als zwischenzeitlich sechs Stammspieler fehlten siegte das Team einfach weiter. „Es hat uns selbst überrascht, wie gut wir das mit unseren jungen Leuten kompensiert haben“, sagte Trainer Hannes Peschutter damals. Alle drei Auswärtsspiele wurden gewonnen, 8:0 Tore erzielt, insgesamt die beste Abwehr der Liga gestellt. Einzige Saisonniederlage: 1:2 gegen Kassel-Wolfsanger. So spielt ein Topteam.

Fair geht vor: Sportlich nimmt Vellmar II nur eine Nebenrolle ein in dieser Saison. Die Besonderheit des Teams: Es spielt vergleichsweise fair. Der Tabellenelfte kassierte in seinen zwölf Spielen durchschnittlich nur etwas mehr als eine Gelbe Karte pro Spiel. Platzverweise? Fehlanzeige. Klein./Hun./Doh. steht auf Rang drei (21 Gelbe), Weidenhausen II auf neun (22 G/1 GR), Reichensachsen auf zehn (22 G/3 GR).

Tolles Durchhaltevermögen: Fast sechs Gegentore kassiert der abgeschlagene Letzte, BC Sport, pro Spiel, nur beim 2:2 gegen Grebenstein wurde aus elf Spielen ein einziges Pünktchen geholt. Ansonsten hagelte es Klatsche um Klatsche, unter anderem ein 0:13 gegen Wolfhagen. Trotzdem gibt BC Sport nicht auf, nimmt es sportlich. Dieses Durchhaltevermögen ist top!

FLOPS

Hinter den Erwartungen: Den Ligastart hatte sich der aus dem Werra-Meißner-Kreis stammende Grebenstein-Trainer Max Schäfer ganz anders vorgestellt. Man wollte um den Titel mitspielen, hatte große Ambitionen. Nach sechs Spielen stand aber nur ein Sieg. Zum Ende rehabilitierte sich die Mannschaft.

Spannung: Derzeit ist es eine Drei-Klassen-Gesellschaft: Kaufungen, die breite Masse, die Absteiger. Bleibt zu hoffen, dass die Spannung schnell zurückkehrt.

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