Lichtblick Ole Pregler

Deutliche Worte nach dem Aus der MT Melsungen im Handball-Europacup

Arg gefrustet: Regisseur Lasse Mikkelsen verlässt das Spielfeld in der Kasseler Rothenbach-Halle. Dahinter folgen weiter Spieler des Bundesligisten.
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Arg gefrustet: Regisseur Lasse Mikkelsen verlässt das Spielfeld in der Kasseler Rothenbach-Halle. Dahinter folgen weiter Spieler des Bundesligisten.

Nach dem frühzeitigen Ausscheiden der MT Melsungen aus dem Handball-Europapokal hat der Bundesligist nun viel zu tun. Ein Situationsbericht.

Kassel – Als es vorbei war, blieben die Melsunger Handballer noch ein paar Minuten auf dem Feld. Ihre Blicke nach dem Ausscheiden in der Europacup-Qualifikation gegen Bjerringbro-Silkeborg aus Dänemark sprachen Bände: Frust, Ratlosigkeit, Unverständnis. Als die MT-Profis dann doch in ihre Kabine verschwanden, kamen sie auch erst einmal nicht zurück. Es gab Gesprächsbedarf.

„Mir hat das Feuer gefehlt“, sagte Trainer Gudmundur Gudmundsson und sprach damit das größte Manko seiner Mannschaft an. Tatsachlich präsentierten sich die Melsunger nicht wie eine Mannschaft, der sich eine historische Chance bietet und die um einen Platz in der neu geschaffenen European League kämpft. „Das Ausscheiden ist das eine, die Art und Weise das andere – und darüber müssen wir reden“, betonte Manager Axel Geerken.

Wirtschaftlich entsteht der MT mit dem Aus kein beträchtlicher Schaden. Lange war schließlich gar nicht klar gewesen, ob sie überhaupt einen Startplatz erhalten würde. Erst durch den überraschenden Verzicht des Bundesliga-Konkurrenten TSV Hannover-Burgdorf wurde eine Teilnahme letztlich möglich.

Dennoch kommt das frühe Scheitern einem Desaster gleich. Für die Weiterentwicklung des Teams wären weitere Duelle mit internationalen Top-Klubs eminent wichtig gewesen. Und eine erfolgreiche Qualifikation für den durchaus prestigeträchtigen Wettbewerb hätte dem Ansehen der MT spürbar gutgetan.

Gutes Debüt: Ole Pregler hatte erste Einsatzzeiten im Profikader.

„Da müssen sich alle bei uns hinterfragen“, sagte Ole Pregler, der Youngster im Kader. Vom 18-Jährigen wurde im Rückspiel nicht viel erwartet. Doch als er eingewechselt wurde und seine ersten Spielminuten im Profiteam hatte, zeigte er sofort Leistung. Ein kluger Pass an den Kreis zu Domagoj Pavlovic, ein Tor aus dem Rückraum – Pregler war sofort präsent.

„Es wäre gelogen, wenn ich mich nicht darüber freuen würde“, erklärte der Nachwuchsmann. Er nutzte seine Chance, weil er sich nur auf seine Aufgabe konzentrierte. Für junge Spieler, ergänzte das Eigengewächs, sei es wichtig, dass „sie sich keinen Kopf machen“.

Dafür bekam er viel Anerkennung von den Mannschaftskameraden. Torwart-Routinier Silvio Heinevetter nahm beispielsweise den 18-Jährigen noch einmal zur Seite, als Gudmundsson seine Kabinenansprache nach der Partie beendet hatte.

„Ole hat seine Sache sehr ordentlich gemacht“, stellt Geerken fest. „Ich finde es auch gut, dass Gudmi ihn gebracht hat.“ Umso mehr, als Pregler entschlossener auftrat als manch anderer Spieler im Team.

„Ich möchte jetzt eine Reaktion von meiner Mannschaft sehen“, fordert Gudmundsson. „Wir brauchen mehr Aggressivität in der Deckung, aber auch vorn.“ Zudem war die Mannschaft viel zu leise. Es gab kaum Kommunikation. „Das hat mich besonders enttäuscht“, ergänzte der Isländer.

Heute kehrt Kapitän Finn Lemke nach Ablauf der 14-tägigen Quarantäne wieder ins Team zurück. Zwar sind es bis zu den nächsten Pflichtspielen noch einige Wochen, die nächsten Tests gibt es aber schon in ein paar Tagen. Am Freitag gastiert die MT bei der HSG Wetzlar, tags darauf ab 15 Uhr empfangen die Nordhessen mit GWD Minden einen weiteren Bundesliga-Rivalen in der Kasseler Rothenbach-Halle. Zwei Gelegenheiten, um den Negativtrend zu stoppen und das Frust-Erlebnis vom Sonntag etwas besser zu verdauen. (Björn Mahr)

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