1. Werra-Rundschau
  2. Sport
  3. MT Melsungen

Corona-Schock für deutsche Handballer: Noch mehr Infizierte

Erstellt:

Von: Björn Mahr

Kommentare

Wurden beide positiv auf Corona getestet: Die Nationalspieler der MT Melsungen, Kai Häfner und Timo Kastening.
Wurden beide positiv auf Corona getestet: Die Nationalspieler der MT Melsungen, Kai Häfner und Timo Kastening. © Marijan Murat/dpa

Bittere Nachricht am Montagabend: Nach Julius Kühn und dem nachnominierten Hendrik Wagner wurden vor dem EM-Spiel am Dienstag gegen Polen weitere Handballer positiv auf Corona getestet.

Kassel – An dieser Stelle hätten Sie eigentlich ein Interview mit den deutschen Handball-Nationalspielern Johannes Golla und Timo Kastening lesen sollen. Als Einstimmung auf das wichtige letzte Vorrundenspiel am Dienstag ab 18 Uhr (ZDF) gegen Polen. Wer das Duell gewinnt, nimmt zwei Punkte in die Hauptrunde mit.

Fünf weitere Spieler betroffen

Doch seit Montagabend, kurz nach 20 Uhr, ist alles anders. Der Deutsche Handballbund (DHB) informierte die Journalisten via Whatsapp darüber, dass nach Julius Kühn und dem erst nachnominierten Hendrik Wagner noch fünf weitere Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wurden: Neben Kühns Melsunger Kollegen Kai Häfner und Timo Kastening erwischte es auch Andreas Wolff, Luca Witzke und Lukas Mertens. „Die fünf Spieler haben sich auf ihren Einzelzimmern in Isolation begeben“, teilte der DHB mit. Auch alle anderen Delegationsmitglieder zogen sich sofort in ihre Zimmer zurück.

Wir hatten mit Golla und Kastening noch am Telefon über Corona-Probleme und Kühns Ausfall gesprochen. Rechtsaußen Kastening hatte da noch zur Situation seines Melsunger Vereinskameraden erklärt: „Für Julius ist es eine beschissene Situation: erst ein überragendes Spiel gemacht und dann positiv getestet. Wir haben aber auch schon in Melsungen und beim Nationalteam darüber gesprochen, dass es immer mal passieren und jeden treffen kann. Jetzt hat es Julius erwischt. Wir hoffen, dass er einen milden Verlauf hat und schnell wieder zu unserer Mannschaft stoßen kann. Das ist das, was ich ihm jetzt am meisten wünsche.“ Nun drücken sie sich gegenseitig die Daumen.

DHB reagiert: Fünf Nachrücker berufen

Bundestrainer Alfred Gislason hätte nach den Ausfällen für die heutige Begegnung nur noch einen Torwart und zehn Feldspieler zur Verfügung gehabt. Deshalb reagierte der DHB schnell, gegen 22 Uhr folgte die nächste Neuigkeit via Whatsapp: Torwart Johannes Bitter (HSV Hamburg), Rune Dahmke (THW Kiel), Sebastian Firnhaber (HC Erlangen) sowie Paul Drux und Fabian Wiede (Füchse Berlin) wurden als Ersatz nachnominiert, alle fünf sollen schon heute gegen Polen dabei sein. Bitter, Dahmke und Firnhaber zählen zum 35er-Kader, der im Dezember nominiert werden musste. Dank einer Ausnahmegenehmigung des europäischen Verbandes EHF können auch die nicht zu diesem Kreis zählenden Drux und Wiede nachrücken. Bis zum Anpfiff müssen alle einen negativen PCR-Test vorweisen.

Schon Hendrik Wagner machte in diesem Zusammenhang eine bittere Erfahrung. Bei ihm war direkt nach seiner Ankunft in Bratislava eine Covid-19-Infektion nachgewiesen worden.

Die Vorbereitung auf das Spiel gegen Polen ist auf jeden Fall empfindlich gestört.

Im 13. Stock des Teamhotels in Bratislava: Johannes Golla, Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft.
Im 13. Stock des Teamhotels in Bratislava: Johannes Golla, Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft. © Sascha Klahn

Hintergrund

Für Handball-Kreisläufer Johannes Golla ist es das erste große Turnier, bei dem er als deutscher Kapitän fungiert. Wir haben mit ihm und Rechtsaußen Timo Kastening über die bisherigen Leistungen und die anstehende Aufgabe gegen Polen gesprochen – noch bevor die weiteren Coronafälle in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bekannt wurden. Hier ein Auszug:

Johannes Golla über...

- den Einstieg bei der EM: „Wir müssen die Leistungen geteilt bewerten. Die erste Hälfte haben wir leider jeweils total verschlafen. Dann haben wir es aber auch geschafft, eine bessere Abwehr hinzustellen. Das nächste, was positiv ist: Wir haben beide Spiele gedreht. Das zeigt, dass wir nicht nervös werden, wenn wir mal zurückliegen. Nichtsdestotrotz müssen wir die erste Halbzeit in den nächsten Spielen besser gestalten.“

- die letzte Vorrundenpartie in Bratislava gegen Polen: „Das ist unser stärkster Gegner. Die Mannschaft hat eine aggressive Abwehr. Deshalb müssen wir über beide Halbzeiten voll dagegenhalten, um etwas Zählbares mitnehmen zu können. Wir müssen sofort die nötige Aggressivität auf die Platte bringen. Es muss jeder die Bereitschaft zeigen, für den anderen alles zu geben.“

- das 23:23 gegen die Polen bei der Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten: „Es war ein Spiel, in dem es um nichts mehr ging. Dennoch haben wir damals zu viele Fehler gemacht. Deshalb habe ich keine guten Erinnerungen, wir haben da noch etwas gutzumachen.“

Von Björn Mahr

Auch interessant

Kommentare