Furiose Schlussphase

Kühns Kracher ins MT-Glück: Melsunger gewinnen Krimi gegen Rhein-Neckar Löwen 25:24

Der Schütze des letzten Tores: Julius Kühn (links).
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Der Schütze des letzten Tores: Julius Kühn (links).

Nach einer furiosen Schlussphase gewann der Handball-Bundesligist MT Melsungen das Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen 25:24 (16:16).

Kassel - Vergessen Sie alles, was Sie bislang im Handball in einer letzten Spielminute gesehen haben: Der Ausgang des Melsunger Heimspiels gegen die Rhein-Neckar Löwen übertraf alles. 40 Sekunden vor Ende hatte Handball-Bundesligist MT die Chance auf 25:24 zu stellen – und Timo Kastening scheiterte vom Siebenmeterpunkt an Nikolas Katsigiannis. Nun hielt der Gast alle Trümpfe in der Hand.

Doch der ansonsten überragende Lukas Nilsson leistete sich ein Fehlabspiel. Schnell lief die MT nach vorn.

Aber es sprang nur ein Freiwurf heraus – aber was heißt schon nur, wenn du einen Julius Kühn hast? Der Rückraumschütze wuchtete den Ball ins linke obere Eck zum 25:24 (16:16)-Endstand. Der dritte Sieg in Folge für die MT. „Ein überragendes Gefühl. Das sind die Spiele, wegen denen wir Handball spielen“, sagte Spielmacher Elvar Örn Jonsson.

3324 Zuschauer bildeten die passende Kulisse. Nur zum ersten Saison-Heimspiel gegen Kiel hatte die MT mit 3186 ähnlich viele Besucher registriert. Im Publikum drückten auch ein Dutzend Fans aus einer Einrichtung der Baunataler Diakonie den Gastgebern die Daumen. Nationalspieler Timo Kastening hatte im Vorfeld dieser Partie die Bewohner der „Landgraf Villa Karl“ eingeladen. Der Rechtsaußen war auch einer der ersten Torschützen in der Kasseler Rothenbach-Halle – er traf zum 3:3. .

„Es wird ein hartes Spiel“, hatte Spielmacher Jonsson vor der Partie gewarnt. Er behielt Recht. Zwar traten die Gäste aus Mannheim stark ersatzgeschwächt an, ihre Startformation war aber dennoch aller Ehren wert – mit Andy Schmid, Lukas Nilsson und Niclas Kirkelökke im Rückraum. Und Jannik Kohlbacher war am Kreis ebenfalls sofort ein Unruhestifte und brachte sein Team mit 6:4 in Führung. Allerdings stand die Deckung der MT zunächst auch nicht sonderlich kompakt.

Melsungens Trainer Roberto Garcia Parrondo hatte sich dafür entschieden, mit Nebojsa Simic im Tor zu beginnen – trotz der fabelhaften Leistungen von Silvio Heinevetter zuletzt. Nach zehn Minuten ohne große Aktionen des Montenegriners durfte der deutsche Nationaltorwart ran. Heinevetter, der nach dem Sieg in Leipzig mit einer öffentlichen Kritik an Manager Axel Geerken für Aufsehen gesorgt hatte, wurde mit viel Beifall der Fans begrüßt.

Im Angriff beschworen die Gastgeber um Kapitän Kai Häfner von allen Positionen Gefahr herauf – praktisch von Kastening bis Kunkel. Nur: Es unterliefen der Heimmannschaft gegen die offensive und aggressive Verteidigung auch wieder mehrere technische Fehler. So wuchs der Rückstand bis auf 10:13 (21.) an. Parrondo setzte früh auf den siebten Feldspieler. Ein fantastisches Freiwurf-Tor von Andre Gomes und ein Abstauber von Yves Kunkel brachten den Gleichstand (14:14, 27.). Trotz des Unentschiedens zur Pause konnte der spanische Coach mit der Leistung seines Teams nicht zufrieden sein.

Es gelang der MT aber auch nach dem Wechsel erst mal nicht, das Kommando zu übernehmen. Trotz einiger Heinevetter-Paraden. Trotz eines herrlichen Solos von Kühn zum 19:19. Trotz einer starken Angriffsaktion von Arnar Freyr Arnarsson vor dem 20:20 von Kastening (43.). Immerhin: Die Hausherren gingen mal wieder in Führung: Erst parierte Simic einen Siebenmeter von Schmid gekonnt, dann warf Kunkel das 21:20 (44.).

Nun lagen die optischen Vorteile auf Seiten der MT. Zumal ihre Abwehr nun mit Gleb Kalarash und Arnarsson im Zentrum leidenschaftlich verteidigte. Zudem hatten die Gäste noch die Partie vom Dienstag gegen Leipzig in den Knochen. Doch noch fiel den Löwen etwas ein. So traf Schlussmann Nikolas Katsigiannis zum 22:21 ins verwaiste MT-Tor. Und der Routinier zeichnete sich auch mit einer Doppelparade gegen Kastening und Arnarsson aus (55.). Dafür parierte Heinevetter glänzend gegen Lion Zacharias (58.). Und dann kam Kühn. (Björn Mahr und Manuel Kopp)

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