Melsungens Handballer und ein denkwürdiges Spielende

MT Melsungen: Jubel wie nach einem Titelgewinn - Torwart gefeiert

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Bester Laune: Nach dem glücklichen Auswärtssieg in Nürnberg freuen sich MT-Spielmacher Lasse Mikkelsen (vorn) sowie Michael Allendorf (links im Hintergrund) und Timm Schneider.

Handball-Bundesligist MT Melsungen feiert nach dem glücklichen 25:24-Sieg beim HC Erlangen in Nürnberg insbesondere Torhüter Johan Sjöstrand. 

Am Spielfeldrand hatten die Gastgeber schon alles für die anschließende Party vorbereitet. Und die 4500 Handball-Fans in der Nürnberger Arena warteten eigentlich auch nur noch darauf, dass das letzte Saison-Heimspiel des HC Erlangen in der Handball-Bundesliga abgepfiffen wird und sie das Feld in Beschlag nehmen können. 24:21 lagen die Franken vorn – und nachdem die MT Melsungen auch noch ihren an diesem Abend besten Torjäger Tobias Reichmann durch eine Rote Karte (53.) verloren hatten, schien der Ausgang klar. Doch dann kam alles anders: Die Melsunger gewannen in buchstäblich letzter Sekunde 25:24 und wurden für die Erlanger zum Stimmungstöter.

Während auf den Rängen blankes Entsetzen über eine späte Niederlage herrschte, spielten sich im Innenraum unbeschreibliche Szenen ab. Die Nordhessen jubelten, als hätten sie gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen: Der überragende Torwart Johan Sjöstrand lag sich mit Kreisläufer Felix Danner in den Armen. Der noch verletzte Michael Müller legte einen Sprint über den halben Platz hin. Und Michael Allendorf wurde von seinen Teamkollegen förmlich erdrückt. Der Linksaußen hatten zwei Sekunden vor Ende nach Kempa-Pass von Lasse Mikkelsen das entscheidende 25:24 geworfen und damit für die MT das Tor nach Europa weit aufgestoßen.

Mann des Abends: Torwart Johan Sjöstrand

„Ein krasses Spiel. Es fällt schwer, dies alles zu fassen“, stellte Trainer Heiko Grimm fest. Die letzten sieben, acht Minuten nahmen einen Verlauf, den wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht für möglich gehalten hätten. „Ich habe schon nicht mehr mit einem Sieg gerechnet“, gab Allendorf zu. Und auch Sjöstrand hatte fast alle Hoffnungen begraben: „Ich war richtig frustriert. Da halte ich drei, vier Bälle in Folge – und wir machen nichts daraus.“

Gut, dass der Schwede nicht lange haderte und sich in der heißen Phase weiter auf seine Hauptaufgabe konzentrierte: Er parierte und parierte – eine Parade spektakulärer als die andere. „Johan hat uns im Spiel gehalten“, betonte Allendorf. Grimm hatte den Routinier früh eingewechselt – eine kluge Entscheidung, wie sich zeigte.

„Johan verdient ein Sonderlob“, sagte der Coach. „auch wenn er zuletzt nicht viel Einsatzzeit bekam, hat er sich immer top verhalten.“ Wenn Sjöstrand nicht den Siebenmeter von Nico Büdel (53.) und den Wurf von Martin Murawski (55.) gehalten hätte, wäre die MT wohl auf der Verliererstraße gelandet. So aber gab es eine erstaunliche Wende, an der viele Spieler beteiligt waren.

Nachdem die Gäste die ersten Viertelstunde komplett verschlafen hatten, traten sie im zweiten Durchgang mit der nötigen Leidenschaft auf. „Wir haben uns als Team dann gut gefunden“, bilanzierte der Schweizer Roman Sidorowicz, der das 22:24 und 24:24 selbst erzielte und dem die Verletzungsprobleme der vergangenen Tage nicht anzumerken waren: „Ich hatte nur ein Training. Aber trotzdem hat es gut funktioniert.“

In den Schlusssekunden machten die Melsunger dann alles richtig. Kapitän Finn Lemke holte acht Sekunden vor Ende eine Zeitstrafe heraus. In der Behandlungspause besprachen Allendorf und Mikkelsen den letzten Angriff: „Ich habe zu Lasse gesagt: Spiel’ Kempa mit mir. Wenn es schief geht, dann haben wir zumindest noch genug Zeit herausgeholt.“ Mikkelsen passt, Allendorf fliegt, ein Heber, ein Tor – Wahnsinn. Der Rest? Jubel.

Nach dem Erfolg bekamen die Melsunger von Freitag bis heute frei. „Auch das gehört zu einer guten Vorbereitung“, erklärt Grimm. Ab Montag liegt der Fokus auf dem letzten Spiel am Pfingstsonntag (15 Uhr) gegen Lemgo. Schon ein Punkt reicht nun zu Rang fünf. Aber die Melsunger wollen einen Sieg zum Abschluss.

Das ist der aktuelle Stand in der Handball-Bundesliga

Quelle: HNA

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