Gislason: Noch Luft nach oben

Vor der Abreise nach Japan: Handball-Nationalmannschaft im Formcheck

Jetzt geht der Blick Richtung Tokio: (im Kreis von links) Kai Häfner, Johannes Golla (leicht verdeckt), Finn Lemke, Silvio Heinevetter, Timo Kastening, Julius Kühn und Andreas Wolff.
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Jetzt geht der Blick Richtung Tokio: (im Kreis von links) Kai Häfner, Johannes Golla (leicht verdeckt), Finn Lemke, Silvio Heinevetter, Timo Kastening, Julius Kühn und Andreas Wolff.

Nach den erfolgreichen Olympia-Test und vor dem Abflug nach Japan haben wir die deutschen Handballer einem Formcheck unterzogen.

Kassel - Der Abflug rückt näher. Morgen machen sich die deutschen Handballer auf den Weg nach Japan. Ab Donnerstag bereitet sich das Team von Bundestrainer Alfred Gislason in Tokushima auf das am 24. Juli beginnende olympische Turnier in Tokio vor. Kein unbekannter Ort: Dort absolvierte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bereits im Frühling 2018 einen Lehrgang.

Bevor die Mannschaft in Frankfurt ins Flugzeug steigt, stehen noch einige Einheiten in Herzogenaurach an. Denn: Nach dem Sieg beim Drei-Nationen-Turnier am Wochenende in Nürnberg hat das Team ein bisschen Arbeit. „Die Woche ist gut gelaufen. Wir haben uns gut eingespielt. Aber es ist noch Luft nach oben“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason am Montag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Wir blicken eineinhalb Wochen vor der Auftaktbegegnung gegen Spanien auf die Form des DHB-Teams: Das ist schon gut, das geht noch besser.

Das ist schon gut

Die Torhüter: Gislason räumte am Montag ein, dass er sich im Juni ein paar Sorgen wegen der Schlussleute gemacht hat. Damals hatte nur Silvio Heinevetter von der MT Melsungen Spielpraxis. Andreas Wolff vom Topklub Kielce/Polen hatte schon Pause, und Johannes Bitter war nach einer Verletzung noch nicht wieder fit. Jetzt stellt der Bundestrainer fest: „Alle sind gut drauf.“ In den Tests gegen Brasilien und Ägypten kam jeder mal zum Einsatz und erfüllte die Erwartungen. Heinevetter drehte sogar gegen die Ägypter mächtig auf. Dabei wird er als Nummer drei in Tokio erst mal außerhalb des Olympischen Dorfs wohnen.

„Das Wohnen ist nebensächlich“, erklärt der 36-Jährige, „ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe alles getan, um zu zeigen, was man an mir hat. Und ich werde alles für diese Mannschaft geben“, betont Heinevetter.

Neben ihm wird auch Vereinskamerad Tobias Reichmann als Ersatzmann mitreisen. Kreisläufer Jannik Kohlbacher kann als Nummer 15 zumindest ständig in den Kader genommen werden.

Das Abwehrspiel: Seit Lehrgangsbeginn vor einer Woche war die Deckung ein Schwerpunkt in der Trainingsarbeit. Gegen die Südamerikaner und die Nordafrikaner verteidigte das DHB-Team teils in einer 6:0-, teils in einer 3:2:1-Formation. „Ich bin froh, dass wir die 3:2:1 mal unter Wettkampfbedingungen spielen konnten. Wir müssen noch Kleinigkeiten besprechen“, sagt der Kieler Hendrik Pekeler, der zusammen mit Johannes Golla und Finn Lemke für den Innenblock vorgesehen ist. Die 6:0-Variante wird bei Gislason mal offensiver, mal defensiver interpretiert. „Es gab aber noch Phasen, in denen wir zu passiv agiert haben“, merkte der Isländer kritisch an. Mit Blick auf das Abschneiden in Japan sagt Gislason: „Unsere Erfolgschancen hängen von der Form unserer Abwehr und der Torleute ab.“

Der Teamgeist: Ob es ein Traumtor von Reichmann war, ein Sahnepass von Juri Knorr oder ein kluges Zusammenspiel von Kai Häfner und Timo Kastening – sofort erhoben sich die Kollegen auf der Ersatzbank von ihren Plätzen und freuten sich mit den erfolgreichen Spielern. „Die Stimmung ist gut im Team“, lobt Heinevetter – und ergänzte: „Der Lagerkoller ist noch nicht da.“

Das geht noch besser

Das Angriffsspiel: Erfreulich war, dass es der Mannschaft immer wieder gelang, Lösungen zu finden. Steffen Weinhold war bei beiden deutschen Auftritten ein belebendes Element im rechten Rückraum. Aus gutem Grund sieht Gislason den Linkshänder auch als potenzielle Alternative für Philipp Weber und Juri Knorr auf der Mitte-Position. Allerdings war auch augenscheinlich, dass sich der deutsche Angriff speziell auf offensive Deckungsformationen immer erst ein bisschen einstellen muss. Da es die DHB-Auswahl in Tokio in der Gruppenphase mit Brasilien und Argentinien zu tun bekommt, wird eine überlegte Spielsteuerung ein wichtiger Faktor sein.

Die Torausbeute: 36:26 gegen Brasilien, 29:27 gegen Ägypten – das deutsche Team hat in Nürnberg viele Tore erzielt. Doch: Es wären noch mehr erfolgreiche Abschlüsse möglich gewesen. Es fehlte mitunter die nötige Konzentration beim Abschluss.

Das Tempospiel: Leichte Tore aus dem schnellen Gegenstoß – sie sind insbesondere bei einem kräfteraubenden Turnier ein entscheidender Baustein. „Wir haben unsere zweite Welle etwas umgestellt. Daran müssen wir noch arbeiten“, sagt Julius Kühn – kurz bevor es für ihn und das Team nun nach Japan geht. (Björn Mahr)

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