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Aldi will Kükentöten abschaffen – foodwatch klagt gegen „dreiste Lüge“

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Von: Daniel Hagen

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Aldi wirbt seit Monaten damit, dass sie als erster Lebensmittelhändler das Kükentöten abschaffen wollen. Weil das aber so nicht stimmt, hat foodwatch eine Klage eingereicht.

„Aldi Nord und Aldi Süd haben es sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2022 das gesamte Hühnerei-Sortiment umzustellen. Für unsere Boden- und Bio-Eier müssen dann keine männlichen Küken mehr sterben. Hiermit sind wir die ersten Lebensmittelhändler in Deutschland, die nur noch Eier ohne Kükentöten anbieten werden“, schreibt das Unternehmen auf ihrer Seite. Die große Überschrift dazu lautet „Wir schaffen das Kükentöten ab“. Passend dazu gibt es seit dem 1. Januar 2022 ein neues Gesetz, das diese umstrittene Praktik verbietet.* Doch ist bei Aldi jetzt wirklich alles so wie versprochen? das verrät HEIDELBERG24*.

Geht es nach dem Verein foodwatch, der sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln befasst, handelt es sich bei dem Versprechen von Aldi nur um „Tierschutz-Betrug“ und einen „makabren Marketing-Gag“. Daher hat der Verein mit Sitz in Berlin bereits im Oktober 2020 eine Klage an der Kammer für Handelssachen am Landgericht Essen eingereicht. Dort befindet sich nämlich die Firmenzentrale von Aldi.

UnternehmenAldi
ZugehörigkeitDiscount-Einzelhandelskette
HauptsitzEssen
GründerKarl & Theo Albrecht
Umsatz106,3 Milliarden USD (2019)

Aldi: Klage von foodwatch wegen falscher Versprechen

Bei der Klage geht es darum, dass der Discounter mit Aussagen wie „wir schaffen das Kükentöten ab“, „ohne Kükentöten bei Aldi Nord“ oder „die Aldi-Initiative – ohne Kükentöten“ wirbt, obwohl das nicht zu 100 Prozent der Wahrheit entspreche. „Für uns bei foodwatch war klar: Mit einer so dreisten Lüge darf Aldi nicht auf Kundenfang gehen“, heißt es auf der Seite des Vereins. Doch was genau stimmt eigentlich nicht an dem großen Versprechen?

Aldi-Filiale in Düsseldorf
foodwatch klagt gegen Aldi. (Fotomontage) © Marcel Kusch/dpa/foodwatch

Es geht darum, dass weiterhin Nahrungsmittel angeboten werden, in denen geschredderte männliche Küken verarbeitet worden sind. Denn das Verkaufs-Verbot bezieht sich nur auf frische Eier, nicht aber auf Produkte, die Eier enthalten. Das werde so vom Discounter aber nicht an die Kunden kommuniziert, weshalb foodwatch Aldi eine „irreführende Täuschung des Verbrauchers“ vorwirft. Immerhin nimmt sich Aldi vor, mit ihrer „5D-Regelung“ und ihrer Milch-Reform bis 2030 mehr gegen das Leid von Tieren zu unternehmen.

Aldi: foodwatch kritisiert Ausweichmethoden

„Die tierquälerische Hochleistungszucht muss ein Ende haben. Deswegen geben wir uns mit Aldis Eingeständnis nicht zufrieden. Wir kämpfen weiter entschieden für den Umstieg auf diese „Zweitnutzungshühner“, also auf ganz „normale“ Hühner, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen“, schreibt foodwatch und kritisiert die aktuellen Verfahren der Agrarindustrie. Bei diesen werden männliche Küken im Ei gar nicht erst ausgebrütet, sondern direkt als „Futtermittel“ verwendet. Alternativ gibt es auch die sogenannte „Bruderhahnzucht“, bei der Brüder der Legehennen nicht getötet, sondern zur Fleischerzeugung aufgezogen werden.

Laut foodwatch habe sich Aldi Mitte Januar – und damit kurz vor Beginn der Gerichtsverhandlung – dazu verpflichtet, die betroffene Werbung nicht mehr zu verwenden. „Wer Tierschutz nur vorgaukelt, muss ein peinliches Gerichtsverfahren fürchten“, warnt der Verein, der für Aldi ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro fordert. Doch auch an anderer Stelle droht Ärger für den Discounter. Wie Ruhr24 berichtet, prüft das Landgericht Duisburg, ob sich Aldi als „klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler“ bezeichnen darf. (dh) HEIDELBERG24 und Ruhr24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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