Allianz zurück in der Spur

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Michael Diekmann

München - Allianz-Chef Michael Diekmann kann drei Kreuze machen. Der verlustreiche Ausflug in die Allfinanzwelt ist für Europas größten Versicherer Geschichte.

Mit dem einstigen Sorgenkind Dresdner Bank muss sich deren neue Mutter Commerzbank herumschlagen. Auch wenn die Allianz mit einem Gewinn von 4,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr deutlich kleinere Brötchen backen musste hat als vor Ausbruch der Krise, ist der Konzern nach Einschätzung von Branchenexperten zurück in der Spur.

Gerade noch rechtzeitig, bevor die Lehman-Pleite die Finanzwelt erschütterte, hatte der Versicherer Ende August 2008 die Trennung von der Dresdner Bank auf den Weg gebracht. Zurück zu den Wurzeln - also zum Kerngeschäft mit Versicherungen - hieß die Devise damals.

Zum bitteren Abschied von der Banktochter nach gut sieben Jahren musste Diekmann seinerzeit das Scheitern der Integration einräumen. Genau die macht jetzt der Commerzbank schwer zu schaffen: Auch die milliardenschweren Integrationskosten für die Dresdner rissen die Commerzbank im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen.

Diekmann umschifft das Thema bei der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag weitgehend. “Die Bank, über die wir vorher immer geredet haben“, nennt er das einstige Sorgenkind Dresdner mittlerweile. Von der staatlich gestützten Commerzbank verspricht er sich in Zukunft allerdings Gewinne - ist die Allianz doch mit gut zehn Prozent an dem neuen Eigentümer der Dresdner beteiligt.

Die Bank sei strategisch “gut aufgestellt“, gibt sich Diekmann überzeugt. Dies werde sich auch auf den Aktienkurs auswirken. Das verbliebene Bankgeschäft ist bei der Allianz nur noch ein Randbereich. Diekmann arbeitet daran, das Versicherungsgeschäft durch weitere Kostensenkungen profitabler zu machen. Der Vertrieb solle durch eine effizientere IT und mehr Kundenberatung gestärkt werden - bei der Dynamik in der Branche dürfe die “Veränderungsbereitschaft nie aufhören“, mahnt Diekmann.

Zuletzt lief es im Versicherungsgeschäft der Allianz nicht überall rund: So brach das operative Ergebnis des wichtigsten Konzern-Standbeins Schaden- und Unfallversicherung im vergangenen Jahr um gut ein Viertel auf 4,1 Milliarden Euro ein. Nun will die Allianz den Anteil der Lebensversicherungen ausbauen.

Das gelinge teils von alleine, nämlich durch die Alterung der Gesellschaft, gibt der Manager zu verstehen. Beim Thema Zukäufe haben die leidvollen Erfahrungen mit der Dresdner die Allianz vorsichtiger werden lassen. Schließlich hat die Beteiligung den Konzern im Laufe der Jahre viele Milliarden Euro gekostet.

Zwar dürften die Nachwirkungen der Finanzkrise zu einer Branchenkonsolidierung führen, die auch seinem Haus Chancen bieten könnte, sagt der Allianz-Chef. Größere Transaktionen seien aber unwahrscheinlich, solange wichtige Fragen zu den Eigenkapitalregeln noch nicht geklärt sind. Eine Verstärkung könnte sich Diekmann beispielsweise im Vertrieb in Wachstumsmärkten vorstellen. Viel Rückenwind von der Konjunktur erhofft sich der Versicherer nicht.

Einen “selbsttragenden Aufschwung“ kann Diekmann noch nicht erkennen, und die Schwankungen an den Kapitalmärkten lassen die Allianz derzeit vor größeren Investitionen in Aktien zurückschrecken. Auch die Schuldenkrise Griechenlands zeigt dem Allianz-Chef, dass Streuung und Mischung der Anlagen angesagt sind. “Die Weltwirtschaft ist seit der Lehman-Insolvenz eine andere, und sie wird auch nicht so schnell an den vorhergehenden Boom anschließen“, sagt er.

Christine Schultze und Steffen Weyer

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