Weselsky nennt kein Streik-Datum

GDL-Chef fühlt sich wie ein Terrorist behandelt

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Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky.

Berlin - Die Lokführer wollen wieder streiken. Der Termin steht nicht fest. GDL-Chef Weselsky erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bahn - und sei entsetzt über die Hetzkampagne.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) lässt weiterhin offen, wann mit neuen Streiks bei der Bahn zu rechnen ist. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky versprach am Montagabend in ARD und ZDF, die Fahrgäste würden so rechtzeitig informiert, dass sie bei Zugausfällen noch Alternativen finden könnten.

Ein Mann und eine Frau sitzen während des Bahn-Streiks am 18. Oktober auf einem Koffer und warten auf einen Zug. Die GDL hat nun für November weitere Streiks angekündigt.

Einen Zeitraum wollte der Gewerkschaftschef aber nicht nennen. Den Vorwurf, den Bahnkunden zuletzt nur wenige Stunden Vorlauf gegeben zu haben, wies er zurück: "Wir haben immer so rechtzeitig informiert, dass die Reisenden sich darauf einstellen konnten", sagte Weselsky in den ARD-"Tagesthemen". Zu dem Vorwurf, er sei im Tarifkonflikt mehr an seiner eigenen Macht als an den Interessen der Belegschaft interessiert, sagte Weselsky: "Und was die interne Kritik betrifft, da sage ich einfach: Ich habe einen einstimmigen Beschluss des Hauptvorstandes und der Tarifkommission. Und die standen nicht unter Drogen."

Im Deutschlandfunk sagte Weselsky, er sei entsetzt über die Hetzkampagne, die gegen ihn und die GDL stattfinde. Er sehe seine Gewerkschaft in "die Nähe von Terroristen" gerückt.

Nach dem Scheitern der Tarifgespräche mit der Bahn hatte die GDL am Montag weitere Arbeitskämpfe angekündigt. Hauptstreitpunkt ist die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen Tarifverträge aushandeln zu dürfen.

Nach Darstellung der Bahn war eine Vereinbarung, wonach die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten sollte, fast unterschriftsreif. Die GDL-Spitzengremien lehnten den Vorschlag jedoch ab. Die Gewerkschaft argumentierte, der Tarifvertrag hätte ihr nur eine Scheinzuständigkeit für die Zugbegleiter gegeben.

GDL-Chef wirft Bahn "unanständige" Vorbedingungen vor

Das war aber nicht der einzige schwere Vorwurf der GDL. Die Bahn verlange, dass die GDL ihre Koalitionsfreiheit abgebe und "für einen Teil unserer Mitglieder das Streikrecht an den Nagel hängt", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montagabend im ZDF-"Heute Journal". Es sei "unvorstellbar, was sich ein Staatskonzern hier erlaubt".

Über die eigentlichen Tarifforderungen - fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit - sei bislang "gar nicht" mit der Bahn verhandelt worden, sagte der Gewerkschaftschef weiter. Denn der Konzern stelle die "unanständige" Vorbedingung, dass die GDL "ihre tarifpolitische Macht an andere abgeben soll" - weil sie neben den Lokführern nicht auch für die Zugbegleiter verhandeln dürfe. Die GDL sei jedoch "nie bereit und nie Willens, die Grundrechte der GDL oder der GDL-Mitglieder am Garderobenhaken abzugeben". GDL-Chef Weselsky forderte die Bahn am Abend im ZDF auf, "ohne Vorbedingungen in die Verhandlungen über Inhalte einzusteigen".

Der Fahrgastverband Pro Bahn übte scharfe Kritik an den neuen Streikplänen der GDL. "Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer", sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks."

Beamtenbund stellt sich bei Tarifstreit mit der Bahn hinter GDL

Der Arbeitskampf werde die Bahn überdies auf lange Sicht schädigen: "Es besteht die Gefahr, dass die Bahn dauerhaft Kunden an den Fernbusverkehr verliert." Auch im Güterverkehr drohe ein Umsatzverlust, weil die Logistikbranche ihre auf Lkw umgestellten Transporte nicht so einfach wieder ändern werde. "Die GDL sägt am eigenen Ast", warnte Aschoff.

Auch von Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hagelt es Kritik: "Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam im Rahmen einer Tarifgemeinschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". "Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt". Die konfrontative Linie der GDL sehe er "sehr skeptisch".

Unterstützung erhält die GDL unterdessen vom Deutschen Beamtenbund (DBB). Es sei "völlig nachvollziehbar", dass der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky das jüngste Angebot der Bahn nicht unterschrieben habe, sagte der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Dienstag. Die Bahn fordere darin faktisch "eine Art Unterwerfungserklärung" von der Gewerkschaft. Der DBB als Dachverband werde seine finanzielle Streikunterstützung für die GDL daher fortsetzen.

dpa/AFP

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