Nach Skandaljahr

Deutsche Bank mit heftigem Gewinneinbruch

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Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank: Anshu Jain.

Frankfurt/Main - Schlechte Nachrichten für Deutschlands größtest Kreditinstitut: Der Gewinn der Deutschen Bank ist im dritten Quartal enorm eingebrochen.

Die Deutsche Bank wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Auf sagenhafte 4,1 Milliarden Euro summieren sich die Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen inzwischen - und es könnten noch mehr werden. Es scheint, als mühe sich das Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen um jenes besenreine Haus, das ihnen ihr Vorgänger Josef Ackermann eigentlich hinterlassen wollte. Es bleibt ein steiniger Weg.

„Wir kommen Schritt für Schritt auf unserem auf drei Jahre angelegten Weg voran, eine hervorragende Plattform für die Deutsche Bank zu bauen“, ließen Jain und Fitschen am Dienstag mitteilen. 1,2 Milliarden Euro Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten im dritten Quartal steht ein magerer Gewinn von letztlich 41 Millionen Euro gegenüber. Auch in den kommenden Quartalen werde das Institut „weitere Herausforderungen zu bewältigen haben“, erklärten die beiden Co-Chefs.

"Im Moment ist das eher Schrecken ohne Ende"

„Im Moment ist das eher Schrecken ohne Ende“, kommentierte dagegen Anlegeranwalt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wir verfolgen mit Besorgnis und Skepsis, dass die Rückstellungen immer weiter anschwellen.“ Schließlich habe das Management jahrelang auch auf Nachfrage von Aktionärsvertretern zu möglichen Risiken durch Rechtsstreitigkeiten eher beschwichtigt und einen sehr selbstbewussten Eindruck vermittelt.

Und dass es bei den bekannten Fällen grundsätzliche Veränderungen gegeben habe, sei zumindest öffentlich nicht bekanntgeworden, sagt Nieding: „Die Frage ist: Hat uns die damalige Deutsche-Bank-Führung die Unwahrheit gesagt oder haben wir jetzt eine Führung, die besonders vorsichtig ist?“

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Die Gefahr einer milliardenschweren Schadenersatzzahlung für die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002 war nie größer, seit das Oberlandesgericht München (OLG) das Geldhaus im Dezember 2012 verurteilte - auch wenn sich die Bank vor dem Bundesgerichtshof (BGH) dagegen wehrt. Die Kritik des OLG an der Führung des Dax-Riesen in der schriftlichen Urteilsbegründung ist ungewöhnlich scharf: Bewusste Falschaussagen, abgesprochene Unwahrheiten, „versuchte Nötigung“.

Auch im Skandal um manipulierte Zinssätze (Libor) ist das letzte Wort über ein mögliches Bußgeld nicht gesprochen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin rügte zu lasche interne Kontrollen bei der Deutschen Bank, die weltweiten Ermittlungen laufen noch. Diese könnten zu „hohen Geldstrafen“ führen, schreibt die Deutsche Bank in ihrem Zwischenbericht. Und Co-Chef Jain kündigt vor Analysten an, dass es „in naher Zukunft“ einige Vergleiche geben werde.

Fitschens Vertrag demonstrativ bis 2017 verlängert

Zittern muss die Deutsche Bank vor allem vor den Behörden im Ausland, namentlich in den USA. Beobachter rechnen damit, dass die Aufarbeitung der Finanzkrise fünf Jahre nach der Lehman-Pleite jetzt erst richtig beginnt, da sich der Sektor allmählich stabilisiert hat. Die Sorgen sind groß, dass dem deutschen Branchenprimus in den USA einiges Ungemach droht. Denn auch die Deutsche Bank mischte im Geschäft mit Hypothekenpapieren mit, die im Zuge der Finanzkrise kräftig an Wert verloren. Die jüngsten milliardenschwere Vergleichsverhandlungen von JPMorgan und der Bank of America zu diesem Komplex in den USA lassen auch die Deutsche Bank zittern.

Mancher Beobachter meint, mit Blick auf den von Jain/Fitschen angekündigten „Kulturwandel“ könnte man den Gewinneinbruch im dritten Quartal auch positiv werten: Die neue Maxime des Vorstands, lieber Geld zu verlieren als Vertrauen, scheine zu greifen. Schon das zweite Quartal 2013 war durch die teure Vorsorge für juristische Altlasten verhagelt worden.

Geradezu demonstrativ verlängerte der Aufsichtsrat am Dienstag Fitschens Vertrag vorzeitig bis zum 31. März 2017. Damit setzt die Bank langfristig auf die Doppelspitze Jain/Fitschen. „Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen“, bekräftigte Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

dpa/AFP

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