Wie eine Arcandor-Pleite die Verbraucher treffen würde

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Garantien, Umtausch, Gutscheine: An vielen Stellen hätte eine Arcandor-Insolvenz Folgen für die Kunden.

Dem Touristik- und Handelskonzern Arcandor droht die Insolvenz . Wir erklären, was das für die Kunden des Unternehmens mit Filialen bundesweit bedeuten würde.

Gehen bei Karstadt oder Quelle im Falle einer Arcandor-Insolvenz sofort die Lichter aus?

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Wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig und der Insolvenzverwalter bestellt wird, führt dieser in der Regel erst einmal die Geschäfte weiter. Er prüft dann unter anderem, ob es einen Käufer für das Unternehmen gibt. Sollte es zum Beispiel zu einer Übernahme der Karstadt-Filialen durch Kaufhof kommen, könnte Kaufhof theoretisch die Rechtsnachfolge übernehmen und damit Ansprechpartner für eventuelle Kundenansprüche sein, sagt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wie genau dies aussehen könnte, sei allerdings juristisch kompliziert und derzeit nur spekulativ zu beantworten.

Was passiert mit den Garantie- und Gewährleistungsansprüchen, wenn die Unternehmen tatsächlich geschlossen werden?

Emotionale Rede:  Karl-Gerhard Eick, Vorstandsvorsitzender von Arcandor (Karstadt, Quelle) versuchte in Hemdsärmeln auf einer Leiter die Mitarbeiter zu beruhigen.

Die gesetzlich garantierte Gewährleistungspflicht gilt gegenüber dem Händler und erlischt, wenn dieser wirklich dichtmacht, sagt Keßler. Durch den Gewährleistungsanspruch kann sich der Kunde eventuelle Mängel an seiner Ware kostenlos beseitigen lassen. Zwar können Kunden ihre Ansprüche im Fall einer Insolvenz theoretisch auch beim Insolvenzverwalter geltend machen, „aber das Problem ist meist, dass diese Forderungen erst weit hinter denen der großen Gläubiger anstehen“, erklärt die Expertin.

Anders sieht die Situation bei den Hersteller-Garantien aus. Sie bleiben laut Verbraucherzentrale von einer Insolvenz unberührt, weil sich der Kunde in diesem Fall direkt an den Hersteller und nicht an den Verkäufer wenden muss. Anders als bei der Gewährleistung müssen Kunden bei dieser freiwilligen Leistung jedoch damit rechnen, etwa für Versandkosten selbst aufkommen zu müssen, wie Keßler erklärt.

Kann ich meine Ware im Falle einer Insolvenz noch umtauschen oder Gutscheine einlösen?

„Grundsätzlich gilt, wenn Händler wie Karstadt oder Quelle nicht mehr existieren, kann man natürlich auch kein T-Shirt oder keine Hose mehr zurückgeben“, sagt Keßler. Da die Zukunft von Arcandor derzeit vollkommen unklar ist, sollten Kunden, die etwas umzutauschen haben, dies möglichst rasch erledigen, rät die Verbraucherschützerin. Gleiches gilt für das Einlösen von Gutscheinen: „Wenn man auf Nummer sicher gehen will, sollte man nicht warten“, sagt sie.

Wie sieht es im Fall einer Pleite mit Nachkauf-Garantien bei Möbeln oder Porzellan aus?

Eine rechtliche Verpflichtung für Nachkauf-Garantien bei Geschirrsets oder Möbeln gibt es der Verbraucherexpertin zufolge nicht. Wenn sie als freiwillige Leistung angeboten werden, betreffe dies zudem eher die Hersteller als den Händler.

Sind Vorauszahlungen im Falle einer Insolvenz verloren?

Im schlimmsten Fall können die Kunden Pech haben und die Anzahlung für den Küchenschrank oder die Sitzcouch geht in die Insolvenzmasse über, wie Keßler sagt. „Dann muss man einfach hoffen, dass man noch was rauskriegt“, erklärt sie.

Ob ein insolventes Unternehmen weiterhin liefern kann, ist laut Keßler von Fall zu Fall unterschiedlich. Das hänge davon ab, was für Vereinbarungen der Insolvenzverwalter treffe und wie sich die betroffenen Hersteller verhielten. Eine Insolvenz bedeute jedenfalls nicht automatisch eine Stornierung der Aufträge.

Wie sieht es mit bereits gebuchten Pauschalreisen aus?

Die Arcandor-Touristiksparte Thomas Cook dürfte von einer Insolvenz kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Unternehmen ist an der Londoner Börse gelistet und arbeitet operativ weitgehend unabhängig vom Mutterkonzern. Kunden, die bei Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter ihren Urlaub gebucht haben, müssen sich deshalb wohl auch keine Sorgen machen.

Hinzu kommt: Liegt ein sogenannter Reisesicherungsschein vor, trägt eine Versicherung das Risiko, sollte ein Unternehmen vor oder während des Urlaubs pleitegehen. Bei Pauschalreisen sollte man daher immer genau darauf achten, dass eine solche Versicherung vorliegt und die Policen auch bezahlt wurden, sagt die hessische Verbraucherschützerin Ute Klaus.

Wäre auch die KarstadtQuelle Bank von einer Arcandor-Insolvenz betroffen?

Die KarstadtQuelle Bank ist nach eigenen Angaben größter Herausgeber von Mastercard-Kreditkarten, bietet aber auch andere Bankdienstleistungen wie Tagesgeldkonten. Das Institut gehört seit 1. April zur Valovis Bank, die wiederum eine hundertprozentige Tochter des KarstadtQuelle-Mitarbeitertrusts ist. Eine Pleite von Arcandor hätte „überhaupt keine Auswirkungen“ auf die KarstadtQuelle Bank, sagte eine Sprecherin von Valovis . Ohnehin sei die Bank Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken.

Bestehen Risiken für die Kunden der KarstadtQuelle Versicherungen?

Wer zu den mehr als 4 Millionen Kunden der KarstadtQuelle Versicherungen gehört, muss sich keine Sorgen um den Bestand seiner Zahn-, Haftpflicht- oder Hausratpolice machen. Der Direktversicherer mit Sitz in Fürth hat abgesehen vom Namen nichts mehr mit Karstadt und Quelle zu tun. Er gehört seit Ende 2008 vollständig zur Ergo Versicherungsgruppe . Diese wiederum gehört zu 94,7 Prozent der Münchener Rück, einem der weltweit führenden Risikoträger.

Sollte es zur Arcandor-Insolvenz kommen, habe das keine Auswirkung auf die Versicherungsverträge von KarstadtQuelle, betont Andrea Hoffmann , Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Trotz des Wirbels um Karstadt und Quelle wollen die KarstadtQuelle Versicherungen ihren Namen behalten. Man werde nicht auf die Nutzung der Markenstärke der beiden Firmen verzichten, teilte die Versicherung mit.

dm/ap/dpa

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