Einigung im Tarifstreit der Uni-Ärzte

Berlin - Die drohenden Ärzte-Streiks an deutschen Uni-Kliniken sind in letzter Minute abgewendet worden. Die Tarifparteien einigten sich auf eine lineare Erhöhung der Gehälter um 3,6 Prozent.

Für die Monate bis November gibt es eine Einmalzahlung von 350 Euro. Für nächtliche Bereitschaftsdienste zwischen 21.00 und 6.00 Uhr wurde für die Ärzte eine Zulage von 20 Prozent ausgehandelt. Ärzte, die Überstunden machen oder im Schichtdienst arbeiten, erhalten ebenfalls einen Zuschlag von 20 Prozent auf das Stundenentgelt. “Diese Zuschläge können auch bei einem Freizeitausgleich nicht mehr abgezogen werden“, sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke.

Eine weitere Neuerung ist, dass sämtliche Ärzte der Justizvollzugsanstalten auch unter die Regelung fallen. “Das war vorher nicht so, und wir sind sehr froh, dass nun auch diese Kolleginnen und Kollegen in den Tarifvertrag mit einbezogen werden“, sagte Henke auf dapd-Anfrage. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis Ende Februar 2013.

Über den Kompromiss zeigte sich der Gewerkschaftschef verhalten: “Wir sind mit diesem Abschluss natürlich nicht jubelnd zufrieden, aber ich glaube, es ist trotzdem eine gute Nachricht für die Ärzte und Patienten.“ Der Marburger Bund hatte für die Ärzte ursprünglich eine lineare Gehaltssteigerung um fünf Prozent gefordert.

Der TdL-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) reagierte ebenfalls zurückhaltend auf den Tarifkompromiss: “Wir sind froh, dass wir den Streik haben abwehren können“, sagte er. Eine Einigung fünf vor zwölf sei besser als eine fünf nach zwölf. “Bei Tarifvereinbarungen ist es so, dass sich immer zwei Seiten bewegen müssen“, sagte Möllring.

Am 30. September hatte der Marburger Bund die Verhandlungen mit den Arbeitgebern nach fünf Runden für gescheitert erklärt. In einer Urabstimmung votierten die Mitglieder der Ärztegewerkschaft anschließend mit großer Mehrheit für einen Arbeitskampf. Beide Seiten trafen sich am Freitag in Berlin zunächst nochmals zu Sondierungsgesprächen und nahmen anschließend die Tarifverhandlungen wieder auf.

Parallel bereitete die Ärztegewerkschaft den unbefristeten Ärztestreik ab Montag vor. Gewerkschaftschef Henke dankte am Samstag seinen Kollegen, die in der Urabstimmung für den Streik gekämpft hätten: “Sie haben einen Streik vorbereitet, von dem wir glauben, dass er den Unikliniken deutlich mehr Probleme bereitet hätte als dieser Abschluss.“

dapd

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