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Trotz Mehrwertsteuersenkung: Gas künftig dreimal so teuer wie zuvor

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Von: Nail Akkoyun

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Eine neue Studie zeigt, dass die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Gas der Bevölkerung kaum aushelfen wird. Eine „kluge Gesamtlösung“ wird gefordert.

Frankfurt – Die von der Bundesregierung geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas wird die Bevölkerung wahrscheinlich kaum entlasten. Dies ergab eine Analyse der Unternehmensberatung „Boston Consulting“. Die Entscheidung, künftig nur sieben anstatt 19 Prozent Mehrwertsteuer zu erheben, würde den durchschnittlichen Gaspreis für Haushalte voraussichtlich um nur etwa zwei Cent pro Kilowattstunde senken.

Der Studie zufolge kann ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Gasverbrauch von 11.000 Kilowattstunden pro Jahr von einer Entlastung von etwa 200 Euro im Jahren ausgehen. Eine vierköpfige Familie dürfte jährlich, je nach Wohnungsgröße, zwischen 300 und 400 Euro sparen. Dass die Mehrwertsteuer kaum etwas bringen dürfte, zeigt auch ein Blick auf die vergangenen Jahre: In einem Zwei-Personen-Haushalt dürfte sich die Gasrechnung im Vergleich zum Jahr 2020 um knapp 1200 Euro erhöhen. Eine vierköpfige Familie müsste noch tiefer in die Tasche greifen – die Expertinnen und Experten von „Boston Consulting“ rechnen mit Mehrkosten zwischen 1800 und 2200 Euro. Im Schnitt werde die Bevölkerung im kommenden Jahr fast dreimal so viel für Gas ausgeben müssen wie zuvor.

Gas wird teurer: Maßnahmen müssen „auch in der Breite spürbar“ sein

Ein Geschäftsführer der Unternehmensberatung kritisierte die Maßnahme im Gespräch mit dem Spiegel und bezeichnete die Maßnahme als „nicht zielgerichtet“. Während die Mehrwertsteuersenkung für den Staat „sehr teuer“ sei, fehle durch den Steuererlass plötzlich auch „ein wichtiges Preissignal zum Sparen von Gas“.

Das Gas wird teurer, die Regierung plant unter anderem die Senkung der Mehrwertsteuer – ein Tropfen auf dem heißen Stein?
Das Gas wird teurer, die Regierung plant unter anderem die Senkung der Mehrwertsteuer – ein Tropfen auf dem heißen Stein? © Rolf Kosecki/Imago

Auch Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), kritisierte die Ampel-Koalition – und damit auch ihre eigene Partei. Die SPD-Politikerin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Entlastungsmaßnahmen „auch in der Breite spürbar“ seien müssten. Nur den sozial Bedürftigen auszuhelfen, sei nicht ausreichend.

„Klar, die Bundesregierung kann nicht eine große Käseglocke über uns stülpen“, sagte Fahimi. Es gebe auch eine große Bereitschaft zur Solidarität. „Aber es gibt zunehmend Verärgerung darüber, dass in der Krise Verzicht immer von denen am meisten abverlangt wird, die am wenigsten haben“, sagte die ehemalige Bundestagsabgeordnete. Die Regierung müsse daher „eine kluge Gesamtlösung anbieten“. (nak)

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