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Bis zu 75 Prozent mehr Gehalt: In welchen Berufen die Bezahlung gerade drastisch steigt

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Von: Lisa Mayerhofer

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Corona hat vieles verändert. Das gilt auch für das Gehaltsgefüge in vielen Branchen. Vor allem Top-Qualifizierte haben während Pandemie teils satte Gehaltszuwächse eingestrichen.

München - Im März lag die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt bei 7,3 Prozent und damit so hoch wie seit 40 Jahren nicht. Vor allem Energie wurde im Vorjahresvergleich drastisch teurer. Angesichts des erneuten Sprungs der Inflation haben mehrere Gewerkschaften kräftige Lohnsteigerungen für ihre Beschäftigten bei den nächsten Tarifrunden gefordert.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Text erschien erstmals am 11.04.2022. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Gewerkschaften fordern mehr Gehalt - gibt es eine Lohn-Preis-Spirale?

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Freddy Adjan, sagte dazu der Bild-Zeitung: „Die Löhne müssen jetzt schnell und deutlich steigen.“ Denn die viel zu schnell steigenden Lebenshaltungskosten seien gerade für Beschäftigte mit niedrigen Löhnen ein Riesenproblem. Ulrich Silberbach, Chef des Deutschen Beamtenbundes, verlangte ein Plus von mehr als sechs Prozent. Es müsse „reale Einkommenszuwächse“ geben, die gebe es „erst oberhalb der Inflationsrate“, sagte Silberbach der Zeitung.

Ökonomen befürchten währenddessen eine Lohn-Preis-Spirale: Arbeitnehmer fordern höhere Löhne, und um diese zu bezahlen, erhöhen in der Folge Unternehmen die Preise für ihre Produkte, was weitere Lohnforderungen nach sich zieht. Für die Wirtschaft würde es angesichts der ständig steigenden Preise dann immer schwieriger, Investitionsentscheidungen zu treffen.

Bei Privatleuten könnte das Vertrauen in den Euro schwinden. Die Inflation könnte sich dauerhaft auf hohem Niveau festsetzen. Dieses Szenario scheint aber noch nicht greifbarer Nähe zu sein: Bislang sieht die Europäische Zentralbank jedenfalls noch keine ernsthaften Anzeichen für eine solche Entwicklung.

Spezialisten konnten während Corona-Pandemie Gehälter verbessern

Tatsächlich müssen die meisten Deutschen eher sinkende Reallöhne in Kauf nehmen. Aber es gibt Ausnahmen: Eine Studie der Unternehmensberatung Willis Towers Watson (WTW) legt nahe, dass seit der Corona-Pandemie* vor allem in Jobs mit besonderem Spezialwissen die Gehälter stark gestiegen sind. Insgesamt habe WTW für seine Analyse Zugriff auf mehr als 400.000 Gehaltsdaten aus 870 Unternehmen, berichtet das Handelsblatt.

Das Ergebnis: Bei zehn Jobs seien die Löhne im Mittel um mehr als zehn Prozent innerhalb von zwei Jahren gestiegen. Am besten schnitten die IT-Systemarchitekten ab. Deren Löhne stiegen laut Analyse seit Beginn der Corona-Pandemie durchschnittlich um ein Viertel. Um durchschnittlich 15 Prozent konnten die Gehälter von Vertrieblern im Großkundenbereich zulegen. Lohn-Zuwächse um mehr als zehn Prozent gab es auch im Controlling, Marketing und der Finanzanalyse.

Jobwechsel: Fachkräftemangel lässt Löhne steigen

Ein Grund für die steigenden Gehälter seien der akute Fachkräftemangel und die wachsenden Inflationsraten. Wenn dann Top-Qualifizierte einen Jobwechsel wagen, können ihnen meist große Gehaltssprünge winken. So sieht Gehaltstrainerin Claudia Kimich im Jobwechsel von Top-Qualifizierten den größten Hebel für mehr Gehalt. Sie berichtet dem Handelsblatt von einer Klientin aus dem Vertrieb, die ihr Gehalt binnen zwei Jahren durch zwei Jobwechsel um 75 Prozent steigern konnte und mittlerweile knapp sechsstellig verdienen würde. „Im ersten Corona-Sommer lag sie noch bei 56.000 Euro Jahresgehalt.“

Arbeitgeber können den steigenden Gehältern entgegentreten, in dem sie sich mehr darum bemühen, ihre Mitarbeiter zu halten. Dabei geht es nicht nur darum, ihnen mehr zu zahlen, sondern auch ein besseres Arbeitsklima anzubieten: Laut Stanford-Ökonom Nicholas Bloom seien zwei Tage Homeoffice als Zusatzleistung einer Gehaltserhöhung von sieben bis acht Prozent gleichzusetzen. Mit Material der AFP. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

 

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