Nicolas Berggruen

Karstadt-Eigentümer wehrt sich gegen Verdi-Kritik

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Nicolas Berggruen

Berlin/Essen - Im Konflikt um die „Tarifpause“ bei Karstadt wird der Ton rauer. Eigentümer Berggruen gibt dem Management Rückendeckung und kritisiert die Gewerkschaft Verdi scharf.

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hat im Konflikt um die „Tarifpause“ beim Warenhauskonzern den Kurs der Geschäftsführung verteidigt. Bei der schwierigen Karstadt-Sanierung sei erst die Hälfte des Weges bewältigt worden, sagte er mehreren Zeitungen. Er kritisierte zugleich das Vorgehen von Verdi scharf. Die Gewerkschaft will mit weiteren Streiks den Druck auf den Essener Konzern erhöhen, seine rund 20 000 Mitarbeiter an kommenden Tariferhöhungen im Einzelhandel teilhaben zu lassen. Am Dienstag streikten erneut Hunderte Mitarbeiter von Karstadt in Hamburg.

„Die Verdi-Funktionäre kämpfen gerade bei Karstadt nur um ihre eigene Macht als Gewerkschaft auf Kosten der Belegschaft. Das ist nicht in Ordnung“, sagte Berggruen der „Bild“-Zeitung. Wenn er 2010 bei dem Traditionsunternehmen nicht eingestiegen wäre, dann gäbe es Karstadt nicht mehr. Die Übernahme sei natürlich erst der Beginn der Rettung, nicht ihre Vollendung gewesen. Wie versprochen seien die Gehälter inzwischen wieder auf dem Niveau von vor der Pleite. Weitere Erhöhungen seien wegen der laufenden Sanierung von Karstadt aber für die nächsten zwei Jahre unmöglich. Eine Sanierung sei immer ein langer Weg und „wir haben erst ungefähr die Hälfte hinter uns.“

Wandel als Voraussetzung für mehr Geld

Berggruen räumte ein, die Probleme unterschätzt zu haben: „Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender“, sagte er der „Bild“-Zeitung weiter. Das Unternehmen hinke bei vielen Dingen hinterher, etwa bei den Einkaufssystemen. „Ich glaube fest an Karstadt. Das Unternehmen wird die Wende hinbekommen!“ Er stehe bereit, frisches Geld einzubringen, wenn es helfen würde. Aber entscheidend sei der Wandel im Unternehmen selbst, betont Berggruen.

Verdi will die zweijährige „Tarifpause“, die Karstadt im Mai für die „vollständige Gesundung“ des Unternehmens bekanntgegeben hatte, nicht hinnehmen. Die Gewerkschaft wirft dem Management „Tarifflucht“ vor, die sich sowohl auf das Vertrauen als auch auf die Motivation der Karstadt-Beschäftigten negativ auswirke. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren bereits viele hundert Millionen Euro durch Verzicht in Karstadt investiert. Verdi hatte Streiks angekündigt, nachdem Karstadt Anerkennungstarifverträge ablehnte. Am Dienstag legten laut Verdi in Hamburg über 400 Beschäftigte die Arbeit nieder.

Karstadt war im Mai in den regionalen Arbeitgeberverbänden in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt. Das Management will die bisher geltenden Tarifverträge zwar weiter anwenden, aber kommende Tariferhöhungen in der Einzelhandelsbranche nicht umsetzen. „Wir nehmen niemandem etwas weg“, sagte Berggruen dem „Tagesspiegel“.

dpa

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