Machtkampf zwischen Schaeffler und Conti

+
Im Machtkampf zwischen Schaeffler und Conti gibt es noch keine Einigung.

Hannover/Herzogenaurach - Schaeffler bietet sich Conti angeblich zu einem völlig überhöhten Preis an, schreibt die Bild Zeitung. Conti könne den Betrag aber nicht bezahlen.

Im Machtkampf zwischen dem Autozulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler gibt es neuen Wirbel. Wie die “Bild“-Zeitung (Mittwoch) berichtete, bietet sich Schaeffler Conti für eine Summe an, die von Marktexperten als unrealistisch eingestuft wird. Schaeffler bewerte sein operatives Geschäft mit deutlich mehr als zehn Milliarden Euro. Diese Summe wurde der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag in Aufsichtsratskreisen bestätigt. Der Preis sei völlig überhöht, Conti könne ihn nicht stemmen.

Conti und Schaeffler verhandeln derzeit über die Zukunft der beiden hoch verschuldeten Konzerne. Am 30. Juli kommt der Conti-Aufsichtsrat zu einer möglicherweise entscheidenden Sitzung zusammen. Ein Schaeffler-Sprecher in Herzogenaurach sagte: “Wir haben mit Conti noch nicht darüber gesprochen, zu welchem Wert Schaeffler in Conti eingebracht werden könnte.“ Schaeffler könne dies nun tun, nachdem die dafür notwendigen Informationen von Continental vorlägen. “Wir sind schon befremdet, dass solche Themen der vertraulichen internen Gespräche zwischen Schaeffler und Conti unmittelbar in die Medien gelangen und Anlass bieten für schädliche Fehlspekulationen.“

Nach dem Bericht hat sich der Conti-Vorstand in einem Brief an Schaeffler gewandt. In dem Schreiben mahne Conti bei seinem Großaktionär eine zügige Entscheidung zur Zukunft der beiden Zulieferer an. Schaeffler hält knapp die Hälfte an Conti und hat weitere 40 Prozent bei Banken geparkt. Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hatte sich aber bei der Übernahme des wesentlich größeren Konzerns finanziell verhoben. Schaeffler und Conti sind jeweils mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldet.

Verschiedene Zukunftsperspektiven

Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann will dem Aufsichtsrat, in dem auch vier Vertreter von Schaeffler sitzen, am 30. Juli in Hannover verschiedene Zukunftsperspektiven präsentieren. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob eine Fusion oder eine Übernahme von Schaeffler durch Conti sinnvoll ist oder nicht. Die Alternative wäre, dass Conti eigenständig bleibt. In diesem Fall sieht die Conti-Führung eine Kapitalerhöhung als dringend notwendig an, um dem angeschlagenen Konzern Luft zu verschaffen. Im Gespräch ist eine Kapitalerhöhung von mehr als einer Milliarde Euro. Conti spricht zudem mit Investoren über einen Einstieg bei dem Unternehmen.

Neumann hatte am Montag gesagt: “Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass in der kommenden Aufsichtsratssitzung eindeutige Weichenstellungen für die Zukunft der Continental getroffen werden.“ Die Lage sei aber ausgesprochen komplex. Das Familienunternehmen Schaeffler verhandelt Medienberichten zufolge mit seinen Gläubigerbanken über eine neue Finanzierung. In Konzernkreisen werden aber Berichte zurückgewiesen, Schaeffler spiele auf Zeit.

Der früher erfolgsverwöhnte Continental-Konzern hatte wegen der schweren Branchenkrise das größte Kostensenkungspaket seiner Geschichte aufgelegt und Werke dichtgemacht. Die Zahl der Beschäftigten sank seit September 2008 weltweit um 16 000 auf derzeit rund 133 000. Der drastische Sparkurs zeigt Wirkung: Nach dem Sturz in die roten Zahlen zum Jahresauftakt machte der Konzern im zweiten Quartal 2009 operativ wieder einen kleinen Gewinn.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare