Siemens hebt Gewinnprognose an

München - Siemens kommt aus der Talsohle. Nach einem Gewinnzuwachs im zweiten Quartal hob Vorstandschef Peter Löscher die Prognose für dieses Jahr kräftig an.

“Beim Ergebnis der Sektoren rechnen wir nun mit einem Übertreffen des Vorjahresniveaus von 7,5 Milliarden Euro“, sagte Löscher am Donnerstag in München. “In wichtigen Absatzmärkten sehen wir Zeichen einer Erholung.“ Bisher hatte Siemens mit einem einen Vorsteuergewinn von 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro gerechnet. Löscher sagte: “Unser Breitengeschäft hat sich im abgelaufenen Quartal erholt. Die Mehrheit der Divisionen verzeichnet schon wieder Zuwächse beim Auftragseingang.“ Trotz eines leichten Umsatzrückgangs stieg der operative Gewinn im zweiten Quartal auf 2,14 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern legte um 48 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu.

Kostensenkungen, Stellenabbau und eine Verlagerung auf profitablere Geschäftsfelder waren die Hauptursachen. Außerdem profitierte Siemens von einer Kürzung bei Mitarbeiterpensionen in den USA - das verbesserte das Ergebnis um 180 Millionen Euro. “Siemens hat seine Ertragskraft eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Hierbei profitieren wir besonders von den frühzeitig umgesetzten Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“, erklärte Löscher. Mit einem Betriebsgewinn von über 7,5 Milliarden Euro würde Siemens in diesem Jahr das operative Rekordergebnis des Vorjahres übertreffen und unter dem Strich knapp 4 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern machen.

Umsatz leicht gesunken

Der Markt für kurzzyklische Geschäftsfelder wie Osram Lichttechnik oder die Industrieautomatisierung erholte sich den Angaben zufolge schneller als erwartet. Das Kraftwerksgeschäft dagegen kam nicht in Schwung, der Auftragseingang brach weiter ein. Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr zwar noch leicht um 4 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro. Aber die Gewinnmargen legten kräftig zu. Auch im Gesamtjahr werde der Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich hinter der Vorjahreszahl zurückbleiben, kündigte Siemens an. Im ersten Halbjahr summierte sich das operative Ergebnis der drei Sektoren auf 4,393 Milliarden Euro und der Gewinn nach Steuern auf 3,029 Milliarden Euro. Siemens baut Deutschland derzeit rund 4.000 Stellen ab und im Ausland weitere 2.000.

Energiesektor vermisst Großaufträge

Der Auftragseingang fiel im zweiten Quartal zwar um 14 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. Großprojekte vor allem im Energiegeschäft lägen momentan noch auf Eis, erklärte Siemens. Im Vorjahresquartal hatten zwei Milliardenaufträge für die chinesische Eisenbahn und ein irakisches Kraftwerk stark zu Buche geschlagen. In den meisten Geschäftsbereichen steige der Auftragseingang, betonte Löscher. Den größten Ergebnisbeitrag lieferte der Energiesektor mit 863 Millionen Euro. Bei Kohle- Öl- und Gaskraftwerken fehlten aber Großaufträge.

Die Preise sind unter Druck. Der Auftragseingang brach um 26 Prozent ein. Im April waren zwei Großaufträge aus den Niederlanden und Katar ein Lichtblick. Der Industriesektor profitierte besonders von Kostensenkungen. Bei Industrieautomatisierung und Osram kam es zur Trendwende, Ergebnis, Umsatz und Auftrageingang stiegen. Das Geschäft mit Elektromotoren dagegen stagnierte auf niedrigem Niveau. Der kleinste Sektor Medizintechnik “schlägt sich weiterhin sehr gut“ sagt Löscher. Nach Verabschiedung der Gesundheitsreform in den USA investierten Kunden dort stärker. Umsatz und Auftragseingang blieben auf dem Niveau des Vorjahres.

dapd

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