Siemens zapft die Sonne an

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Siemens setzt auf Solartechnik.

München - Der Siemens-Konzern trotzt der aktuellen Krisenstimmung in der deutschen Solarbranche mit dem Ausbau des eigenen Geschäfts. Marktexperten erwarten, dass die Münchner einige Firmen aufkaufen.

“Wir möchten im großen Stil in die Solartechnik hinein“, sagte der neue Siemens-Energie-Chef Michael Süß dem “Handelsblatt“ (Mittwoch). Der Zeitpunkt ist laut Experten nicht zufällig gewählt. Nicht nur, dass Siemens gerade sein Atomgeschäft begraben hat. Der Weltmarkt für Photovoltaik wird sich nach Einschätzung von Frank Asbeck, Chef des Bonner Solarenergiekonzerns Solarworld, von derzeit 40 Milliarden Dollar (29,3 Mrd Euro) bis 2020 verfünffachen und das Interesse großer Konzerne anziehen.

“Für die Elektronik-Riesen wird der Photovoltaik-Markt jetzt richtig interessant“, sagte Asbeck dem Wirtschaftsmagazin “Capital“ laut Vorabmeldung. Nicht nur chinesische Anbieter, die den deutschen Anlagenbauern im Solargeschäft mit billigen Produkten schon heute schmerzhaft Konkurrenz machten, hätten die Chancen entdeckt. “Da werden ganz andere kommen, etwa Samsung aus Südkorea und Foxconn aus Taiwan“, ist Asbeck überzeugt.

“Ich glaube, dass Photovoltaik ein größerer Markt wird als Solarthermie“, sagte Süß der “Financial Times Deutschland“ (FTD/Mittwoch). In den vergangenen Jahren hatte sich der Konzern auf die Solarthermie konzentriert, bei der das Sonnenlicht durch die sogenannte Parabolrinnentechnik Flüssigkeiten erhitzt und der dadurch gewonnene Dampf eine Kraftwerksturbine antreibt. Die Finanz- und Schuldenkrise bremste jedoch Großprojekte aus.

Photovoltaik und Solarthermie liefern sich Wettrennen

Zudem leitete der Preisverfall bei Photovoltaikpanels einen Sinneswandel ein. So hatte der Kraftwerksentwickler Solar Millennium im kalifornischen Blythe jüngst nach jahrelanger Planung entschieden, dort statt der Parabolrinnentechnik die preiswertere Photovoltaik einzusetzen.

Beide Märkte, die Photovoltaik und die Solarthermie, seien noch im Stadium der Technologiewetten, sagte Süß der “FTD“. “Keiner weiß, wer dieses Rennen gewinnen wird.“ Die vor wenigen Wochen angekündigte Aufspaltung des Siemens-Bereichs für erneuerbare Energien und die Gründung der neuen Division “Solar & Hydro“ für die Bereiche Solarenergie und Wasserkraft sei “ein Signal, dass wir dieses Geschäft ausweiten wollen“.

Keine Gefahr eines Abschwungs im Energiesektor

Da “Solar & Hydro“ nach Berechnungen von Analysten mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro lediglich einen Bruchteil der übrigen Siemens-Geschäftsbereiche ausmacht, gehen die Branchenexperten davon aus, dass der Konzern nach Zukäufen Ausschau hält. Womöglich seien unter den derzeit von ihrer Finanzschwäche und der wachsenden Konkurrenz geplagten Solarfirmen geeignete Kandidaten. Siemens werde sich jedoch nicht dem kleinteiligen Geschäft mit Endkunden widmen, sondern seine Stärken als Kraftwerksbauer betonen.

Während Siemens als Anbieter von Windkraftanlagen besonders auf hoher See weltweit Erfolge feiert, hinkt das Solargeschäft bisher hinterher. Im Ende Juni zu Ende gegangenen dritten Geschäftsquartal verbuchte es einen Verlust. Insgesamt bringt der Energiesektor von den künftig vier Sektoren (Energie, Industrie, Gesundheit sowie Infrastruktur und Städte) den meisten Umsatz. “Der Energiesektor läuft auf einem sehr hohen Niveau“, sagte Süß der “Börsen-Zeitung“. Die Gefahr eines größeren Abschwungs sehe er nicht.

dpa

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