Telekom-Affäre: Ricke und Zumwinkel zahlen

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Kai-Uwe Ricke (l) und Klaus Zumwinkel.

Bonn - Knapp drei Jahre nach Bekanntwerden illegaler Schnüffeleien bei der Telekom zahlen die Ex-Manager Ricke und Zumwinkel mehr als eine Million Euro Schadensersatz. Schuld oder Verantwortung weisen sie aber strikt zurück.

Eigentlich waren Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel in der Frage stets unversöhnlich gestimmt: Alle Schuld und Verantwortung in der bislang größten Affäre bei der Telekom wiesen die Manager weit von sich. Und das nicht nur in strafrechtlicher Hinsicht, sondern auch zivilrechtlich. Nun sind sie doch eingeknickt und haben sich mit der Telekom auf einen Vergleich verständigt: Mehr als eine Million Euro zahlen der ehemalige Vorstandschef der Telekom und sein damaliger Boss im Aufsichtsrat an den Bonner Konzern.

Untergang der Firmen-Namen

Untergang der Namen

“Wir begrüßen es, dass sie sich der Verantwortung stellen und unternehmerisch verantwortlich fühlen“, sagt verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Der Gewerkschafter, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Telekom ist, ist eines der Opfer der Schnüffeleien. Ein anderer sagt: “Ein besseres Schuldeingeständnis gibt es nicht“. Zumwinkel dagegen lässt wissen, dass er die Angelegenheit durch eine einvernehmliche Verständigung habe befrieden und so weiteren Image-Schaden von der Telekom abwenden wollen.

Was war geschehen? In den Jahren 2005 und 2006 hatte die Telekom systematisch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Betriebsräte und Journalisten bespitzelt, um ein Informationsloch aufzudecken. Nur aus diesem Gremium, so wurde gemutmaßt, konnten die Interna an die Öffentlichkeit gelangt sein. Ricke und Zumwinkel schalteten die Konzernsicherheit ein. Doch an diesem Punkt können Fakten, Vermutungen und Unterstellungen nicht mehr klar voneinander getrennt werden. Haben Ricke oder Zumwinkel oder beide den Auftrag erteilt, unter allen Umständen und mit allen Mitteln die Leckage im Kontrollgremium aufzudecken oder haben sie nur von den Vorgängen gewusst? Beide sagen: nein, haben wir nicht!

Tatsächlich pochten die Opfer und ihre Anwälte immer wieder darauf, Ricke und Zumwinkel wegen Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz und der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses den Prozess zu machen. Doch die Ermittlungen gegen die Topmanager verliefen im Sande. Mitte 2010 wurden sie eingestellt. Aus Mangel an Beweisen wurden Ricke und Zumwinkel nicht angeklagt, es bestehe kein hinreichender Tatverdacht, begründete die Bonner Staatsanwaltschaft den Schritt damals.

Dennoch kam es zum Prozess - unter anderem gegen Manager der Konzernsicherheit. Der Chef der Abteilung, der am Ende alleine auf der Anklagebank saß, wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte die alleinige Verantwortung übernommen. Doch über dieses Urteil rümpften manche die Nase. “Ich kann mir kaum vorstellen, dass hier eine Person ohne Wissen der Konzernspitze gehandelt hat“, sagt Schröder. Über eine Beschwerde zur Einstellung der Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel muss die Oberstaatsanwaltschaft noch entscheiden.

Telekom-Chef René Obermann möchte nach drei Jahren das Thema endlich ad acta legen. Nachdem das Unternehmen im Frühjahr 2008 mit einer Anzeige den Fall selber ins Rollen gebracht hatte, setzte der Konzernchef alle Hebel in Gang, um die Affäre aufzuarbeiten. Der Manager entschuldigte sich nicht nur bei den Betroffenen. Im Vorstand wurde ein neues Ressort Datenschutz geschaffen und für die Betroffenen wurden Entschädigungen gezahlt und eine Spende von 1,7 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen geleistet. Einmal muss Obermann aber noch Rede und Antwort stehen: Auf der nächsten Hauptversammlung müssen die Aktionäre den Vergleich mit Ricke und Zumwinkel noch absegnen.

dpa

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