Preisanstieg auf breiter Front

„Habe ich noch nie erlebt“: Chef des Händlerverbands von VW und Audi warnt Autokäufer

VW-Zentrale in Wolfsburg: Der Autobauer hat wegen eines Aprilscherzes heftigen Ärger.
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VW-Zentrale in Wolfsburg: Angesichts der Liefer-Engpässe bei Halbleitern müssen Autokäufer tiefer in die Tasche greifen.

Die Engpässe bei Halbleitern setzen den Autobauern zu. Jetzt erreichen die Folgen der Entwicklung auch Händler - und Autokäufer.

München – Der Chef des deutschen VW*- und Audi*-Händlerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, hat Autokäufer auf harte Zeiten eingestellt. Angesichts der Engpässe bei Halbleitern und der stockenden Produktion dürfte die Lage bei „Neu- und Gebrauchtfahrzeugen in den kommenden Monaten weiter angespannt bleiben“, sagte Weddigen gegenüber Merkur.de.

Weil VW ähnlich wie viele andere Autobauer die Produktion wegen der Engpässe bei elektronischen Bauteilen drosseln muss, steigen die Lieferzeiten*. So müssten Kunden bei beliebten VW- und Audi-Modellen schon jetzt „gut sechs bis acht Monate warten“, sagte Weddigen. Bei einzelnen Baureihen wie dem ID.3 oder ID.4 liege die Lieferzeit aktuell sogar bei knapp einem Jahr.

VW: Immer mehr Überbrückungsgespräche

Auch bei bereits unterzeichneten Verträgen brauchen Autokäufer inzwischen Geduld. Wegen der stockenden Produktion seien zahlreiche Liefertermine nicht mehr zu halten. Daher müssten Händler mit Blick auf die inzwischen weit verbreiteten Leasing-Verträge Überbrückungsgespräche führen. Dabei setzten die Autohäuser verstärkt auf Leihfahrzeuge oder die Verlängerung laufender Leasing-Verträge. Damit fehlten den Händlern jedoch Leasing-Rückläufer – mit den entsprechenden Folgen für den Gebrauchtwagenmarkt. „Da versiegt gerade eine Quelle“, sagte Weddigen.

VW: Auch online schrumpft das Angebot

Wie ernst die Lage mittlerweile ist, zeigt auch ein Blick auf die einschlägigen Portale im Netz. So listet etwa mobile.de derzeit rund 1,1 Millionen Angebote auf. Üblich sind um diese Jahreszeit eher 1,6 bis 2,1 Millionen Fahrzeuge.

Die wachsenden Engpässe schlagen sich inzwischen auch bei den Preisen nieder. So würde der SUV Seat Ateca mit 20.000 Kilometern Laufleistung und einer Erstzulassung Ende Januar derzeit mit einem Abschlag von gerade 11 Prozent auf den Neupreis gehandelt. Üblich seien hingegen Preisabschläge von 30 bis 45 Prozent. 

Auch bei Neufahrzeugen müssen Autokäufer jetzt tiefer in die Tasche greifen. Während jahrzehntelang teils satte Abschläge auf die Listenpreise üblich waren, streichen die Händler die Rabatte jetzt radikal zusammen. „Man hört, dass der Listenpreis aktuell der Marktpreis ist“, sagte Weddigen. Das habe er in seiner gut 40jährigen Karriere „noch nie erlebt“.

VW-Händler: Lage ist schwierig

Für die Händler trübt sich die Lage angesichts längerer Lieferfristen und dem zusehends eingeschränkten Angebot bei hochwertigen Gebrauchtfahrzeugen damit aber erneut ein. Vor allem im laufenden vierten Quartal dürfte die Situation „schwierig“ werden, warnte Weddigen. Auch für die erste Jahreshälfte 2022 dürfte die Lage angespannt bleiben. Mit einer Entspannung sei erst danach zu rechnen.

Um die Lage für die Branche zu entschärfen, sieht der Präsident des Volkswagen- und Audi-Partnerverbandes auch den Autobauer in der Pflicht. Die Stimmung bei vielen Händlern sei derzeit „katastrophal“. Viele Verkäufer kämen wegen fehlender Aufträge aktuell gerade auf eine Abschlagszahlung, die weit unter ihrem üblichen Gehalt inklusiver der Verkaufsprämien liegen. Um sie zu halten, bräuchten die Betriebe die finanzielle Unterstützung der Hersteller, forderte Weddigen. *Merkur.de und 24auto.de sind Teil von IPPEN.MEDIA.

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